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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-25 · Heft 12 (25.3.1917) · p. Seite 350

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 12 (25.3.1917)
Article
Gespräch auf Zions Walle
Date
1917-03-25
Page
Seite 350 (sequence 4)
Language
German
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350 Der zweite Krieger: Der Schlaf ist nicht der Menschen Knecht. Er läßt sich nicht befehlen an der Sorgen Bett. Viel' offene Lider schauen heute den Mond. Der erste Krieger: So sollen sie schweigen, die kein Schwert führen. Wir wachen für alle. Die beiden Krieger (schweigen und gehen auf und ab. Ihre Schritte hallen dumpf, ihre Speere funkeln im Mondlicht). Der zweite Krieger (bleibt stehen): Hörst du? '""Der erste Krieger Was soll ich hören? Der zweite Krieger: Es ist ganz still, und doch tönt es, wenn der Wind sich wider uns hebt. Als ich in Joppe war, hört' ich zum erslenmale das Meer von fern in der Nacht. Solch Tönen ist nun im Tal von Tausender Gegenwart, leise sind alle, und doch ist von Rädern und Waffen die Luft erfüllt. Ein ganzes Volk mu& es sein, das plötzlich über Israel fiel, wie ein Meer rauscht es schon an die Mauern. Der erste Krieger (hart): Ich will nichts hören als den Wachlruf. Laß rollen, la& rauschen. Der zweite Krieger: Warum wirft Gott die Völker gegeneinander? Es ist doch so viel Raum unter dem Himmel, daß einer nicht störte den andern. Viel Land noch harret der Pflugschar, viele Wälder des Beiles, und doch schärfen sie Schwerter aus den Pflügen und schlagen ins lebendige Fleisch mit den Äxten. Was stößt sie widereinander, daß sie ihr Blut gießen in den Sand, was ruft sie auf, daß sie stürmen und zertrennen, was sie erbauten? Ich verstehe dies nidit. Der erste Krieger: Von immer war es so. Der zweite Krieger: Aber muß es so sein? Warum will Gott den Krieg zwischen den Völkern? Der erste Krieger: Die Völker begehren seiner um seinetwillen. Der zweite Krieger: Wer sind die Völker? Bist du nicht unseres Volkes einer, bin ich es nicht und unsere Frauen, die meine und die deine, und haben wir dieses Krieges begehrt? Hier stehe ich und halte einen Speer, nicht weiß ich, wider wen " ich ihn wende, ehe der Neumond zerrinnt. Dort unten im Dunkel ist er, dem er zugeschliffen ward, ich kenne ihn nicht, nie hab' ich sein Antlitz gesehen und die Brust, die ich mit Tod ihm durchstoße. Und ein anderer wärmt dort unten vielleicht jetzt am Lagerfeuer die Hand, die meinen Kindern den Vater

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