Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 12 (25.3.1917)
- Article
- Die neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage in West- und Osteuropa
- Date
- 1917-03-25
- Page
- Seite 347 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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347 Einschränkungen noch fühlbarer zu machen. Aber nach dem Kriege ist doch wohl bei uns mit großem dringendem Bedarf nach kaufmännischer Tatkraft zu rechnen. Die Neuorganisation unseres Wirtschaftslebens wird denen gewaltige Aufgaben stellen, die geistige Elastizität genug besitzen, um zu den neuen Zielen die Wege zu suchen. Neu aufgebaut werden muß ja unser zerstörter Außenhandel, neu orientieren müssen sich Rohstoffbezug und Verarbeitung; völliger Neugestaltung wird unser freld- und Kreditwesen bedürfen, unser Nachrichtenwesen, der schwer darniederliegende Baumarkt. Und die Umstellung selber aus der Kriegsin die Friedenswirtschaft wird auch nicht in Kommissionssitzungen eines Übergangskommissars gelöst. All das wird gewandte, unternchmungsfähige und unternehmungsfreudige Persönlichkeiten dringend erheischen, wird diesen Persönlichkeiten gute, vielleicht glänzende Aussichten eröffnen. Beim Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft-werden die deutschen Juden dringend notwendig sein. Deutschland wird dann keine fähige Arbeitskraft missen können. Ein großes, reiches Arbeitsfeld wird sich den deutschen Juden erschließen ~- in ihrer Eigenschaft als Deutsche. (Fortsetzung folgt.) Gespräch auf Zions Walle Aus einer Tragödie „Jeremias" Aus dem Mänuskripf*) Von Stefan Zweig, Wien Auf der Umwallung Jerusalems. Die Mauern, breite behauene Quadern, sind so breit, da6 sie als hohe Stra&e rings um die Stadt laufen. Rückwärts sieht man den sternenbesSten Himmel und dämmerig fern das Tal mit Lichtern und ungewissen Flächen. Es Ist helles, strahlendes Mondlicht, das die Wfille wie blinkendes Erz erscheinen l£6t. Auf den Mauern schreiten ernst zwei Krieger die Wache auf und ab. Ihre Gesichter sind verschattet von den hohen Helmen, auf Ihren Lanzen schimmert das Mondlicht. Einige wenige Neugierige haben sich trotz der nahen Mitternachtsstunde auf die Mauer gewagt und spöhen in die ungewisse Ferne. Eine Frau: Es ist Schlafenszeit. Füll' dir nicht das Herz mit Bangnis. Genug frühe siehst du sie morgen, die Verfluchten. Komm' schlafen, es ist vielleicht das letzte Schlafen in Stille. Ein Mann: Wie schlafen können, wie schlafen, da sie wach sind, unsere Feinde, wider uns! Schwerer denn Blei ward mir das Herz, seit ich hier stehe, und doch kann ich's nicht fort- *) Stefan Zweig hat eine dramatische Dichiung In neun Bildern Jeremias* Im Manuskript vollendet, aus deren viertem Bild wir ein Fragment veröffentlichen. D- R-