Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 11 (10.3.1917)
- Article
- Das jüdische Familienleben im Osten
- Date
- 1917-03-10
- Page
- Seite 317 (sequence 7)
- Language
- German
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317 gegründet zu sein, wurde von diesen auf allen Gebieten des Lebens verrichtet. Luftschlösser hörten auf, eine Zauberkraft auf die Jugend auszuüben, man fing zu erkennen an, daß nur das Konkrete einen wirklichen Wert hat. Es wuchs das Interesse für die längst totgeglaubten aber doch lebenden und standhaften Institutionen des historischen Volkes und der Blick wandte sich zum Urquell des Gemeinwesens — zu der Familie. Nicht brechen oder gar ignorieren, sondern entwickeln, hieß es jetzt. Man kann nicht aufhören, das zu sein, wras man ist, man darf aber auch nicht so verbleiben, wie man gerade steht, sondern sich aus dem entwickeln, was man ist, so annähernd hat Pcrcz diese Tendenz formuliert. Und die jüdische Familie ist im Begriffe, nicht nur weltlich zu werden, sondern hauptsächlich sich als Zelle des nationalen Organismus zu erkennen. So scheint das erwachte Volkstum das zu erreichen, was der etwas abstrakte Nationalismus nicht zu erreichen vermochte. Die jüdische Literatur ist nicht hinter dem Leben zurückgeblieben. Die neue Strömung wirkte hier segensreich und befruchtend. Es genügt, David Bergelsons ausgezeichneten Roman „Noch alemen" zu erwähnen,'in dem die jüdische Familie als Nährboden seelischer Regungen und Schlüssel psychologischer Rätsel dargestellt wird. Als Dokument der Zeit darf auch das vor drei Jahren erschienene Theaterstück Nürnbergs angesehen werden. Diesem geistigen Vater so vieler Junggesellen hat nun ein Werk sein Leben zu verdanken, das den Titel ..Di Mischpochoh" (= Die Familie) führt. „Das ganze Jahr betrunken und am Purim nüchtern" Von J. L. Perez Deutsch von Alexander Eliasberg Es ist ein verbreitetes jüdisches Sprichwort; man sollte aber auch wissen, woher es kommt. In den Tagen des Rabbi Chaim Vital lebte in der Stadt Zfas ein junger Mann, der, auf keinen von uns sei es gesagt, kaum ein Jahr nach seiner Hochzeit Witwer wurde. Gottes Wege sind schwer zu ergründen, und dergleichen kommt ja manchmal vor. Aber der junge Mann glaubte, daß für ihn die Welt untergegangen sei, daß ebenso, wie es am Himmel nur eine Sonne gäbe, seine Frau die einzige Frau auf der Welt gewesen sei. Nun ging er hin, verkaufte seine ganze Habe und übergab den Erlös dem Rektor der Jeschiwah von Zfas mit der Bedingung, daß man ihn in die Jeschiwah aufnehme, ihn dort mit den andern Schülern ernähre und ihm