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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 291

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Chassidische Legenden
Date
1917-02-25
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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291 Ehemann traf ein. Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne um Mittag; hinter ihm kamen viele Älteste von ehrbarem Aussehen. Der junge Rabbi bat die Männer, sich hinzusetzen, und sie nahmen an einem Tisch Platz. Er sprach zu ihnen: Meine Gefährtin, die hier weilt, trägt mir im Innern nach, daf* ich mich von ihr, als wir Eheleute waren, allzufern hielt; die Satzungen sprechen für sie, und so will ich sie in eurem Beisein um Vergebung bitten. Das junge Weib erwiderte: Ich vergebe dir von ganzem Herzen. Der Rabbi sprodi weiter: Ihr steht das Recht der Wiedervermählung zu; sie ist jung; wie darf ich sie hindern? Will sie aber keine Ehe mehr eingehen, so soll alles, was ihr fehlt, meine Sorge sein. Bei diesen Worten erwachte das Weib, und siehe ihr Angesicht war nicht mehr vergrämt; die Rede ihres Gemahls halte ihr Trost gebracht. Nunmehr kehrte sie nach ihrem Wohnorte zurück. Gott segnete all ihr Tun, und sie konnte ihr Haus in Ehren halten. Wenn aber Besonderes eintrat, erschien ihr wie früher ihr Schwäher, der längst heimgegangene alte Rabbi, und sagte ihr, wie sie sich zu verhalten habe. Ihr junger Sohn kam als Eidam in das Haus eines bekannten Meisters. Diesem war die Frau gestorben, und er wollie um die Mutter seines Eidams werben. Er hatte vorher die Angelegenheit mit ihrem Sohne besprochen, und diesem gefiel das Vorhaben, denn er war noch jung an Jahren. Also fuhr er hin, um seiner Mutier den Antrag des Sdnvähers zu überbringen. Als aber der Jüngling unterwegs war, träumte ihm, dßf> er vor ein prächtiges Schloß gekommen wäre. Vor dem Tore stand sein verstorbener Vater; er hielt die Arme hoch und hatte mit den Händen den Rand des Daches umfaßt; er schrie mit laufer Stimme: Wer ist es und wer wagt es, in meinen Palast einzudringen! Da erwachte der Jüngling; er begriff, worauf sich das Gesicht bezogen hatte, und kehrte inmitten des Weges um. (Übersetzt von R. R.) Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Herrn a n n Co h e n Der Jude in der christlichen Kultur I. Unter den Vorwänden, mit denen der fahnenflüchtige Jude seinen Abfall vor sich selbst beschönigt, wird zu wenig das Bedenken beachtet.

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