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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 283

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Saloniki
Date
1917-02-25
Page
Seite 283 (sequence 4)
Language
German
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263 Handels-Patriziertum. Namen wie Errera Modiano, Allatini (in dessen Villa Abdul Hamid gefangen saß) haben in der Handelswelt des Mittelmeers gleichen guten Klang wie bei uns die großen Hamburger und Bremer Firmen. Eine sehr beachtenswerte Erscheinung ist es, daß trotz.aller freiheitlichen Entwicklung und trotz der besonderen Eigenschaft als Hafenstadt das jüdische Saloniki ein Sittenleben von einer Reinheit führt, die geradezu unvergleichlich ist. Die Stadt besitzt, wie jeder Mittclmeerhafen, ihre „Bara", ihr „Fremdenviertel". Aber es wird ausschließlich vom Schiffsvolk und von den — Europäern in Anspruch genommen. Dem jüdischen jungen Mann, der sich auf derartigen dunklen Wegen betreffen ließe, würde es allgemeine Ächtung eintragen« Das Familienleben, das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist musterhaft. Im übrigen gelten hier nach altjüdischer Auffassung Kinder noch als Segen, und eine geradezu biblische Fruchtbarkeit spricht aller europäischen Dekadenz Hohn. Daß Saloniki nicht lange mehr das bleiben würde, was es war, mußte man voraussehen. Der im Sturmschritt über den nahen Orient vordringende „Europäismusu machte selbstverständlich nicht Halt vor der spanisch-jüdischen Tradition Salonikis. Während vor 5 Jahren die ältere Generation noch die altspanische, Tracht trug, kleiden sich die Jüngeren schon längst nach Paris und Wien. Und Hand in Hand mit der äußeren Anpassung geht die geistige Assimilation, in der Hauptsache gefördert durch das Schuhverk der Alliance Israelite Universelle, das dem Kulturbürger französischen Ideals nichts, dem Juden aber so ziemlich alles schuldig blieb. Unter dem Einfluß dieser Assimilation hat sich in der letzten Zeit besonders unter der sephardischen Jugend ein Geist geltend gemacht, der viel von „Money at allu-Ideal des Amerikanismus an sich hat. Gleichzeitig offenbart sich eine der großen Schattenseiten des Sephardentums: seine relative Vereinsamung gegenüber der jüdischen Gesamtheit, zu der es nur sehr äußerliche Beziehungen unterhält. Allerdings machte gerade vor Kriegsausbruch ein Teil der Jugend den hoffnungsvollen Versuch, sich nach Palästina hin *u orientieren und dort den fast verlorenen Anschluß an die jüdische Volksgemeinschaft wieder herzustellen. Wesentlichen Anteil an dieser Erneuerung hat die vorbildliche Arbeit der Schule des Hilfsvereins der deutschen Juden, die mit ihrer hebräischen Unterrichtssprache zum Ausgangspunkt nationaler Selbstbestimmung wurde. Hier liegen auch die Möglichkeiten zu neuer Arbeit nach dem Kriege. Das alte Saloniki ist unwiederbringlich dahin. Aber gegenüber dem Saloniker Judentum, das jetzt so viel Schreckliches durchmacht, besteht unsere Ehrenpflicht, ihm für die Zukunft den Anschluß an das neugeeinte jüdische Volk zu sichern. „Auf daß gesammelt werden unsere Verstreuten von den vier Enden der Welt."

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