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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 276

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Das jüdische Elend in Wilna im Jahre 1915/1916
Date
1917-02-25
Page
Seite 276 (sequence 2)
Language
German
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276 frage ergab für 1898 für 1200 Städte und Flecken des russischen Ansiedlungsrayons einen Gesamtarmenstatus von 18,8 %. In den vier Jahren 1894—98 wuchs die Zahl der hilfsbedürftigen ostjüdischen Fa*- rnilitn (gemäß dem Umfang der Pessaehunterstützungen) um durchschnittlich 27,9% 3). Ich habe an anderer Stelle auf die Schwierigkeit hingewiesen, die Vermehrungsquoto des ostjüdischen Armenstatus für die letzten zwei Jahrzehnte auch nur annähernd zu bestimmen. Es sind schwer faßbare modifizierende Tendenzen und Faktoren — Auswanderung, Entwicklung des sozialen Hilfswesens — in Betracht zu ziehen. Anderseits fällt just in den angeführten Vergleichsjahren 1894—98 ein so katastrophales Ereignis wie die Einführung des Branntweinmonopols (gebietsweise 1896, 1897 und 1898); außerdem sind wohl auch die Nach- ' wehen der niederschmetternden Verordnungen von 1882 und 1887 in Betracht zu ziehen. Die Stadt Wil-na, die in bezug auf statistische Ermittlungsarbeit immer an der Spitze stand — bis zum Kriegsausbruch wies diese Stadt eine ausgezeichnete „Gesellschaft für jüdische Statistik" auf, wie sie keine andere ostjddische Gemeinde besaß —, ist das einzige ostjddische Massenzentrum, das dank einer mustergültigen Zentralisierung des gesamten jüdischen Wohlfahrtswesens in der Lage war, wertvolles statistisches Material auch für die letzten Jahre zu liefern. Die vom „Rcgistrationsbureau" des Wilnaer jüdischen Zentralwohltätigkeitsinstituts „Zedaka Gedola" eben bekanntgegebenen -Zahlen sind deshalb sehr wohl dazu angetan, über das dunkle Gebiet der Entwicklung des ostjüdischen Armenwesens in den letzten Dezennien ein grelles Licht zu werfen. Diese Zahlen ergeben eine Steigerung des jüdischen Armenstatus in \3/ilna in den zwei Jahrzehnten 1898—1916 um etwa 13 %. Der Umstatid, daß Wilna in diesem Kriegsjahre nur etwa die Hälfte seiner jüdischen Bevölkerung in Friedenszeiten aufwies, vermag nicht dagegen zu sprechen, sondern, im Gegenteil, diesem Ergebnis das höchste Maß von Gewißheit zu verleihen: es waren eben die Wohlhabenden, die abgewandert sind. Wo ist hier also das „Kriegsschicksal"? In der Steigerung des Wilnaer jüdischen Armenstatus in zwei Jahrzehnten um 13 % ist es schwerlich zu erblicken. Die Kriegswirkungen erweisen sich hier als recht sekundär. Das jüdische Elend hat offenbar bereits in den letzten Friedensjahren dio höchste Grenze seiner Steigerungsfähigkeit erreicht, * * # Dio Ziffern der Wilnaer „Zedaka-Gedoia" sind auch in anderer Hinsicht von höchstem Interesse. Sie enthalten nämlich exakte Angaben bezüglich der Ursachen der H i 1 f s b e d ü r f t i g k e i t. Die deutsche Reichsstatistik unterscheidet zwischen inneren, und äußeren Ursachen der Armut Die inneren Ursachen sind: Trägheit und 8) Für Wilna ergeben die Vergleichszahlen (bezüglich der Zahl der um lcssachunterstutzuugeti nachsuchenden Familien) folgendes Bild: _J.§94_1895_1890_1897_^898 3758 8977 3058 4570 48307"

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