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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 262

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Soziologische Tagebuchblätter
Date
1917-02-10
Page
Seite 262 (sequence 3)
Language
German
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262 Damit das neue Königreich für uns ein vollwertiger Bundesgenosse werde, ist es unumgänglich, daß wir das Vertrauen der preußischen Polen gewinnen. Sie müssen die Sicherheit haben, daß sie auch in unserem Staatsverbande Polen bleiben dürfen. Man darf sie nicht als ,Preußen polnischer Zunge4 bezeichnen: mit Recht erklären sie diesen Ausdruck für beleidigend. Sie haben einen Anspruch, nicht nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihrem ganzen nationalen Wesen anerkannt zu werden, politisch Preußen und dadurch aucli Staatsbürger des Deutschen Reiches, national Polen. Was würden die Österreicher sagen, wenn man ihnen den Namen ,Deutsche* aberkennen und sie nur als ,deutschsprechende Österreicher4 bezeichnen wollte? Jeder, der hilft, diese Gesinnung der gegenseitigen loyalen Anerkennung der natürlichen Rechte und Pflichten aufzubauen, hilft dem Feldmarschall Hindenburg und führt unseren Soldaten Ililfstruppcn zu." Das schreibt Hans Delbrück in der politischen Korrespondenz seiner „Preußischen Jahrbücher" vom Dezember 1916. Wir begrüßen auch diesen Bundesgenossen. 00000000 Umschau 00 00 03 000 Aus dem XVarsdtaucr Leben Am 31. Januar d. J. hat die wohlbekannte und ausgezeichnet redigierte jüdische Tageszeitung „Warschauer Tageblatt" ihr Erscheinen eingestellt. Die Tatsache hat in den Warschauer Schriftstellerkreisen berechtigtes Aufsehen erregt. Wir geben im folgenden den Abschiedsgruß der Zeitung an ihre Le&ov wieder: „Die heutige Nummer des ^Warschauer Tageblatts' ist diu 1 e t z I* e. Das »Warschauer Tageblatt1 wird jetzt e i n g e a t e 111, nicht etwa d o s h a 1 b, weil es in der Öffentlichkeit au wenig Sympathien gefunden hat, weil es infolge eines zu geringen Leserkreises nicht zu existieren vermochte — andere Gründe sind hior im Spiel: das ,Warschauer Tageblatt* muß eiqer anderen Zeitung Platz machen. Mit Genugtuung können wir die Tatsache feststellen, daß unsorn Zeiturm' in der Zeit ihres Bestehens das Vertrauen der breiten jüdischen Öffentlichkeit in immer steigendem Maße gewonnen hat. Der.Kreis der Leser und Freunde ist im Wachsen begriffen. Dieser Umstand beweist, daß unser Wirken und die Überzeugungen, für die unser Blatt eintrat, in den breiten Schichten unseres Volkes lebhaften Widerhall gefunden haben. Es ist ein ernster Moment, wenn Milnuer, auf deren Schultern die moralische Verantwortung für die Richtung des Blattes ruhte, nunmehr ciarangehen, sich vom Publikum zu verabschieden. Es sei uns gestattet, an dieser Stelle und in diesem ernsten Moment zu sagen: Das »Warschauer Tageblatt' war von seiner ersten bis zur letzten Ausgabe im redaktionellen Teile unabhängig. Von einem Gewissenszwang und einem Druck auf das publizistische Pflichtgefühl dem Volke

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