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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 261

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Soziologische Tagebuchblätter
Date
1917-02-10
Page
Seite 261 (sequence 2)
Language
German
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261 sind, und weil ich selber nicht 80 dumm oder so schlecht bin, als daß ich wünschen sollte, daß meine Deutschen und die Franzosen, die beiden auserwählten Völker der Humanität, sich die Hälse brächen zum besten von England und Rußland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen dieses Erdballs. ... Die Elsässer und Lothringer werden sich wieder an Deutschland anschließen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen begonnen haben, wenn wir diese überflügeln in der Tat, wie wir es schon getan in Gedanken, wenn wir.uns bis zu den letzten Forderungen desselben emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten, wenn wir die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme, glückenterbte Volk und den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in ihre Würde einsetzen, wie unsere großen Meister gesagt und gesungen, und wie wir es wollen, wir, die Jünger. — Ja, nicht bloß Elsaß und Lothringen, sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt — die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung und universalen Herrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichen wandle. Das ist m e i n Patriotismus. . . . Meine ganze schweigende Verachtung widme ich hingegen dem gesinnungslosen Wichte, der aus leidiger Scheelsucht oder unsauberer Privatgiftigkeit meinen guten Leumund in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen sucht, und dabei die Maske des Patriotismus, wo nicht gar die der Religion und der Moral, benutzt.'4 Das schrieb am 17. September 1844 als Vorwort zu seinem „Deutschland, ein Wintermärchen" Heinrich Heine. Es scheint, als könne man ein großer Dichter und dennoch kein schlechter Prophet sein. Und uns allen kann es nicht schaden, wenn wir hinter die Zeit des eisernen Maschinenalters zurückgehen und die Gedanken und Ideale jener Zeit heraufbeschwören, in der noch nicht Mammon der oberste Gott, und das Gesetz der Konkurrenz noch nicht der oberste Codex war; in der feinere Ohren noch nicht durch den Lärm der Maschine betäubt und noch imstande waren, aufzufassen, was der Genius der Menschheit mit leiser Stimme spricht. * * * „Es bleiben etwa 1% Millionen Polen in Posen und Westpreußen, denen es einigermaßen schwer werden mag, die sich aber darein finden müssen, daß sie dem polnischen Nationalstaat nicht angehören können und deren Ideale sich darauf beschränken müssen, innerhalb des Deutschen Reiches ihre Nationalität zu wahren, und die ihnen eigentümliche Kultur zu pflegen. Das glatte Aufgeben des Volkstums in den Nationalstaat ist ja auch dem deutschen Volke nicht beschieden. Etwa ein Viertel des Deutschtums lebt außerhalb des Deutschen Reiches, hat sich mit dieser Schickung abzufinden und darf sich damit trösten, daß das in mancher Beziehung dem Reichtum und der Mannigfaltigkeit unseres nationalen Daseins zugute kommt, . . .

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