Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 9 (10.2.1917)
- Article
- Die Lodzer Stadtratwahlen und ihre Bedeutung für das polnische Judentum
- Date
- 1917-02-10
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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252 notwendig hielten, im jüdischen Interesse für eine tüchtige, selbstbewußte jüdische Führung einzutreten. Über die Lodzer Wahlen und über die Wahlen in der Provinz, wo es zum Teil überhaupt zu keinen Wahlen gekommen ist, weil die Polen bei den Verhandlungen in den meist jüdischen Städtchen so viel verlangten, daß die Juden nicht darauf eingehen konnten und wo zum Schluß überhaupt keine Kandidatenlisten eingereicht wurden, so daß die Bevölkerung freiwillig auf ihr Wahlrecht verzichtete, wäre wohl noch mancherlei zu sagen. Eine Haupterkenntnis haben uns aber die Stadtwahlen gebracht: die Juden, auch die extremsten Nationalisten, sind grundsätzlich bereit, wie das ja eigentlich selbstverständlich ist, zu einem Modus viviendi mit den Polen zu kommen und sich als treue Bürger des neuen Staates zu betätigen. Natürlich haben sie ein Minimalprogramm von Wünschen, von denen sie nicht abgehen können. Wie wir das schon öfter in diesen Blättern gelesen haben, scheint es nur eine Möglichkeit zu geben, die allen nun einmal im Lande befindlichen Nationalitäten gerecht wird: und das ist der Schutz der Minoritäten. Wir können die Hoffnung nicht aufgeben, daß einmal auch die rulligen und vernünftigen Führer der Polen zu dieser Erkenntnis kommen werden, und erst dann wird das erreicht sein, was der Wunsch alier für das neue Königreich Polen ist: daß es ein mächtiger und sicherer Wall sein möge gegen den asiatischen Koloß, der nicht mehr nach Europa hinein soll. Wenn alle Beteiligten aus den Vorgängen bei den Wahlen in Lodz die rechten Lehren ziehen, werden wir etwas ruhiger in die Zukunft Polens, auch vom jüdischen Stand-, punkte aus, schauen können. .Adam"*) Drama in einem Vorspiel und vier Akten Aus dem Manuskript von Arno Nadel, Berlin IL Akt Adam und Abel Adam: Siehst du, mein Sonnenjunge, so, nun ruhst du In deines starken Vaters Armen besser Als auf dem Fell im Dunkel. Eva, Mutter, Reidi mir ein wenig Milch, ich will ihn pflegen, Da6 er erwache, wie er soll, nicht stammle, Wenn Tag ist und die Felder sonnig schauen. (Eva ist aufgestanden und hat in einem HoUgefäfc Milch gebracht) •) Das Drama erscheint demnfichst im Insel-Verlag, Leipzig.