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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-25 · Heft 8 (25.1.1917) · p. Seite 230

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 8 (25.1.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-01-25
Page
Seite 230 (sequence 9)
Language
German
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230 Shylocknatur unter uns gegenüber dem deutschen Geiste. In der mibe-. dingten Dankbarkeit una in der aufrichtig innigen Liebe zum wahrhaften deutschen Geiste sind wir deutsche Juden allesamt Nathannaturen. Wir lassen uns in .dieser Liebe zu dem, was wir als deutschen Geist im deutschen Volke erkannt haben, nicht beirren durch alle die Spiegelfechtereien, Zweideutigkeiten, Niedrigkeiten und Gehässigkeiten einer deutschen Abart, vor der keine Volksart verschont bleibt. In unserer Liebe zum Echten und Wahrhaften des deutschen Volkes lassen wir uns nicht irremachen von allen jenen Irrgeistern. Wir sind und bleiben fest und treu als Juden und als Deutsche, als Deutsche jüdischer Religion. , Bis hierher habe ich als deutscher Jude gesprochen. Im nächsten Heft will ich, als alter deutscher Professor, gegen den hochgestellten Kollegen meine Amtspflicht zu erfüllen suchen. Soziologische Tagebuchblätter Von Franz Oppenheimer 7. Die Presse der Mittelmächte ist voll von Kommentaren zu den Noten des Zehnverbandes. Und überall die gleichen Argumente. Erstens: es ist pure Heuchelei — und dumme Heuchelei, denn kein Neutraler wird sich täuschen lassen — daß der Kampf der Entente für die Rechte der kleinen Nationen geführt werde; und zweitens: das Ziel selbst ist utopisch, unmöglich und würde, wenn es möglich wäre, die Welt zurückstatt vorwärtsbringen. Denn die Zukunft gehört, wie in der Wirtschaft, so auch in der Politik den großen Verbänden. „Die Zeit des politischen Kleinbetriebes ist vorüber44, sagt Naumann in seinem „Mitteleuropa". Zu beiden Behauptungen hat der Soziologe seinen Widerspruch anzumelden. Sie sind beide viel weniger richtig, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Was zunächst die „Heuchelei" anlangt: Völker und ihre Repräsentanten heucheln sehr selten, wenn überhaupt. Sie täuschen sich nur, täuschen sich gesetzmäßig, über die Motive, die ihr Handeln bestimmen. Jede gesellschaftliche Gruppe, klein oder groß, vom Verein bis zur Nation oder dem Staatsvolk, wird in jedem Augenblick unwiderstehlich zu einer bestimmten Handlung getrieben; „sie strömt vom Orte höheren zum Orte geringeren Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes44; sie folgt dem alle Materie und alles Leben beherrschenden Gesetze des kleinsten Kraftmaßes. „Naturgesetzlich handelt der Mensch44, sagt der Altmeister der deutschen Soziologie Ludwig Gumplowicz, und er fügt hinzu: „und menschlich denkt er hinterdrein.44 Das heißt: Er

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