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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-25 · Heft 8 (25.1.1917) · p. Seite 222

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 8 (25.1.1917)
Article
An den Wassern zu Babel
Date
1917-01-25
Page
Seite 222 (sequence 4)
Language
German
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222 die Stimme Gedaljes: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten . . " Die GSste sind bestürzt, richten empört ihre Blicke empor und wollen protestieren, doch lassen sie wieder ihre Köpfe sinken - besiegt. Eine den Alten wohlbekannte, den Jungen schon halbfremde Melodie durchzitterte den Raum. Denn daselbst hießen uns singen, die uns gefangen hielten: Singet uns ein Lied von Zion! - Wie sollten wi r das Lied Gottes singen in fremdem Lande? Vergesse ich dein, Jerusalem . . . Ein Aufschrei voll Verzweiflung und Sehnen und Rachedurst entringt sich der gedrückten Brust des armen Musikanten. - „. . Du verstörte Tochter Babel, heil dem, der dir vergilt, wie du uns getan. Heil dem, der deine jungen Kinder faßt und sie zerschmettert am Felsen ..." Ein Aufjauchzen und ein Wimmern erfüllen den Saal... Halbvergessene Erinnerungen tauchen in den Seelen der Horchenden auf. Sie verbergen ihre Blicke, als schämten sie sich, einander ins Gesicht zu sehen. Es schämen sich die Juden vor den Nichtjuden und die Michtjuden vor den Juden. Nur die Tochter des Advokaten, eines getauften Juden, steht da und schaut sich nach allen Seiten um. Sie ahnt, daß hier etwas Großes vor sich gegangen, kann es aber nicht fassen. (Dem Hebräischen nachgebüdd von A. Robin söhn.) Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft 8, Betrachtungen über Schmollers Angriff Von Hermann Cohen Die Disposition unseres Gemütes bei der Abwehr antijüdischer Angriffe ist heute eine andere als vor 40 Jahren bei der Anfachung dieser Bewegung durch die „Germania44, ihrer Fortführung durch Stöcker und endlich ihrer Bestätigung durch Treitschke. Als ich im Januar 1880 gegen Treitschke schrieb, konnte ich noch auf Verständigung hoffen, und ich bin in dieser Hoffnung nicht gänzlich enttäuscht worden. Jetzt aber stehen wir anders zu diesen neuesten Angriffen, mit denen man die Neuorientierung einleitet. Die Judenstatistik ist vorangegangen, und ohne sie zu berücksichtigen, benutzt Schmoller die Besprechung einer politischen Schrift, deren Verfasser ein Jude ist, zu Äußerungen, durch welche er der neuesten Judenbewegung seinerseits die akademische Bestätigung erneuert. Warum versagt unser sonst nicht zu bezwingender

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