Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 8 (25.1.1917)
- Article
- Politisierung des deutschen Judentums
- Date
- 1917-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.rRat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs Dr. Franz Oppenheimer iiimiimiimiHiiiiimiiitimiiiimiimiiiiiiim I. Jahrgang 25. Januar 1916 Heft 8 iiimiiiiuiiiwiiiimiimiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiniimimn Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Politisierung des deutschen Judentums Von Dr. Adolf Friede m a n n, Berlin In seinem Aufsatz „Zur Aussprache" in Nr. 1 dieser Zeitschrift vom 10. Oktober y. J. beklagt Geheimrat Dr. Eugen Fuchs die innere Zerrissenheit des deutschen Judentums. „Liest man die Zeitschriften der verschiedenen jüdischen Richtungen, so glaubt man, daß Orthodoxe und Freidenker, Zionisten und Antizionisten ein gemeinschaftliches Band nicht mehr haben, daß sie sich gegenseitig als Juden nicht mehr anerkennen, daß es überhaupt nur jüdische Parteien, nicht mehr ein Judentum gibt . . . Heute, mehr als je gilt es, die Bedingungen der Versöhnung klarzustellen . . . Es gilt alle Kräfte zu gemeinsamer. Arbeit, zu vereinen." Diese Worte sind allen aus der Seele gesprochen, denen die Verhältnisse der letzten Jahre schwere Sorgen verursachten und die bei aller persönlichen ausgesprochenen Stellungnahme zu den jüdischen Problemen nicht das ganze über seinen Teilen vergaßen. Auf die Dauer nicht sich die Übertreibung des Parteigeistes auch an der im Augenblick siegenden Gruppe. Schuld an diesen Verhältnissen sind nicht etwa Einzelpersonen und einzelne Richtungen. Wäre die Gesamtheit gesund und würde sie klar die Tatsachen übersehen und die Gefahren erkennen, so müßten Exzesse der einzelnen und allzu scharfe Übertreibungen der sachlichen Standpunkte ohne nachhaltigere Einwirkung bleiben. Das Übel muß also seinen Sitz tiefer haben. Es liegt in der Unsicherheit unserer Gesamtlage in der Gesellschaft und dem geringen politischen Sinn der großen Mehrheit der deutschen Juden. Die Emanzipation der Juden in den westliehen Ländern ist im wesentlichen nicht organisch aus dorn Bedürfnis der Sachlage erwachsen: sie ist vielmehr das Ergebnis liberaler Gedanken vom Wesen der Oe-