Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Soziologische Tagebuchblätter
- Date
- 1917-01-10
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
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206 überragender Milch- und Pflanzungswirtschaft (30 Arbeiter) kommt er auf rund 900, bei überwiegend bewässerter Kultur (30 Arbeiter) auf rund 300 ha. Das erforderliche Kapital beträgt beim ersten Schema 2 894 000 Fr., wovon 1317000 Fr. Bodenkapital und Gemeindepflanzung, 376 000 Fr. für Gebäude, 419 000 Fr. für Amelioration, 358 000 Fr. für Betriebskapital usw. Beim zweiten Schema ist der Gesamtbetrag rund 2 520 000 Fr., beim dritten 2 440 000 Fr. Um diese Kolonien zu schaffen, denkt 0. an eine Zentralbehörde, die im wesentlichen aus Vertretern des Jüdischen Nationalfonds und der jüdischen nationalen Organisationen zusammengesetzt sein soll; für jede einzelne Kolonie ist dann eine eigene Ansiedlungskommission einzusetzen, in der außer den Vertretern der eben genannten Anstalten die kreditgebenden Organisationen (Hypothekenbanken usw.) und die Gesellschaft der künftigen Siedler repräsentiert sein sollen. Sie hat den Besiedlungsplan, die Bautypen, die Ausscheidung des Gemeindelandes usw. vorzunehmen und die „Zwischenverwaltung" zu führen. Den Schluß des Schriftchens bildet der Entwurf eines Gesamtplanes der „jüdischen landwirtschaftlichen Besiedlung Palästinas". 0. hält es für möglich, binnen 12 Jahren nach Kriegsschluß 30 solcher Kolonien mit 3000 Familien oder 12- bis 15 000 Seelen zu be^Tünden, die einen Gesamtaufwand von rund 77X» Millionen Franken bedingen würden. Davon hätte der Nationalfonds rund 27 Millionen, die kulturellen Institutionen rund VA Millionen aufzubringen; auf dem Kreditwege wären 2G Millionen flüssig zu machen, und die Ansiedler und Arbeiter hätten etwas über 17 Millionen beizusteuern. Legt man sich die Frage vor, wieviel es kosten würde, um das ganze Land, soweit es die autochthone landwirtschaftliehe Bevölkerung nicht braucht, zu besiedeln, so kommt man auf die Summe von 2 Milliarden Franken für die Schaffung von 776 Dörfern mit 76 000 Betrieben, die aber mit so viel Reserveland ausgestattet sind, daß sie im Laufe der Zeit 100 000 Betriebe aufnehmen können. Dabei bliebe für die Araber sehr ausreichend Boden übrig, und es wäre immer noch für ebensoviel jüdische Klein- und Mittelbetriebe Boden vorhanden. Aber das sind Aussichten, die 0. selbst als vorläufig kaum ernsthaft zu diskutieren darstellt. Dieses der Inhalt des klar und gut geschriebenen Büchleins, an dem niemand wird vorübergehen können, der sich für die Besiedlung Palästinas und die Heimführung der Juden in ihr altes Stammland interessiert. Ein furchtbares Unwetter ist über das jüdische Volk dahingebraust, vielleicht das schlimmste und mörderischste ihrer leidensvollen Geschichte. Wer kann wissen, ob diese Prüfung nicht die Ursache sein wird, daß nach dem Friedensschluß eine Massenauswanderung in das alte Land einsetzen wird? Dann wird O.s Buch ein guter Weg-weiser sein.