Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-01-10
- Page
- Seite 201 (sequence 4)
- Language
- German
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201 ,,denn er gebietet den Menschen die Nächstenliebe und alle Werke der Barmherzigkeit" (ib.). Auch er hat aus den Psalmen doch noch nicht gelernt, daß die Nächstenliebe und alle Werke der Barmherzigkeit vom Alten Testament gelehrt werden. Indessen denkt er gar nicht an diesen Unterschied oder gar diesen Gegensatz, sondern nur an den zwischen jenem ursprünglichen Christenglauben und demjenigen zu seiner Zeit. Diese ganze literarische Frage gehört ja in den von unserem Autor verpönten Streit der Glaubensbekenntnisse, der für ihn zurücktritt gegen seinen Heldenkampf gegen die bestehenden Formen des Christentums. Worin daher diese Schrift ihren aktuellen Wert hat, das fst die sichere Selbstgewißheit eines von alier Mystik freien Rationalismus im reinen Gottesglauben. Und für das Judentum gewinnt dieses Dokument noch eine besondere Bedeutung dadurch, daß dieser rationale Gottesglaube die Macht gehabt hat, das Gebet zu erzeugen und im Gebet sich selbst zu bezeugen: und daß dieses rationalgläubige Gebet zu Gott aus den Psalmen geschöpft worden ist. Soziologische Tagebuchblätter Von Dr. V r anz 0 p p e n h c i m e r 6. Landwirtschaftliche Besiedlung; Palästinas Der in jüdischen Kreisen sehr wohlbekannte konsultierende Landwirt des Jüdischen Nationalfonds, Ing. agr. Jakob Oettinger, unternimmt es in einer kleinen, aber inhaltsvollen Schrift1), einen bis in die Einzelheiten durchgearbeiteten und ausgerechneten Plan der landwirtschaftlichen Besiedlung Palästinas zu entwerfen. Er hat die seit etwa einem halben Jahrhundert im Lande gemachten Erfahrungen eingehend erforscht und versucht, auf ihnen fußend, zu einem Generalplan zu gelangen, der die begangenen Fehler vermeidet und das große Werk auf gangbaren Wegen vorwärtszubringen verspricht. Dabei geht er von der Hoffnung oder wenigstens der Möglichkeit aus, daß nach diesem Kriege Palästina der jüdischen Masseneinwanderung offenstehen wird und daß sich manches heute der Kolonisation sehr ungünstige Moment, wie die Unsicherheit, der Mangel guter Verkehrsstraßen, das steuerliche Unwesen des Oscher usw. usw., im Frieden günstiger gestalten werde. Der philanthropischen Kolonisation verdanken wir technisch eine Reihe reicher Erfahrungen, vor allem aber die bestimmte Erkenntnis, daß das Verfahren selbst zu keinem brauchbaren Ergebnis führen kann. Es bricht das wirtschaftliche Rückgrat der Kolonisten, deren Selbstverantwortung nicht voll angespannt wird, und deren Selbständigkeitsgefühl unter dem System der dauernden Bevormundung verkommt; und es hat, vom nationalen Standpunkt aus gesehen, den großen 5) Methode und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina (Nationalfonds - Bibliothek Nr. 3. herausgegeben vom Hauptbüro des .Jüdischen Nationalfonds) Haag, 110 Seiten.