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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-10 · Heft 7 (10.1.1917) · p. Seite 198

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 7 (10.1.1917)
Article
Chawe
Date
1917-01-10
Page
Seite 198 (sequence 9)
Language
German
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198 jeder Mensch an sein Werk. . . Ihr lacht doch über mich? Habe ich es nicht vorher gesagt? Ich weiß sogar, was Ihr Euch denkt: „Dieser Tewje ist doch wirklich ein großer Narr!" Darum sage ich: Schluß! Genug für heute. Bleibt mir gesund und stark und laßt von Euch einmal was hören. Doch vergeßt um Gottes willen nicht, um was ich Euch gebeten habe: Ihr sollt schweigen, ich meine, daraus, was ich Euch erzählt habe, sollt Ihr kein Buch machen; und wenn es sich schon mal treffen soll, daß Ihr ein Buch schreibt, so schreibt über wen andern und nicht über mich. An mich sollt Ihr nicht mehr denken, wie es auch in der Schrift steht: „Ihr sollt ihn vergessen" — es ist aus mit Tewje dem Milchhändler! Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft 7. Ein abessinischer Rationalist im 17. Jahrhundert Von Hermann Cohen Prof. Littmann, Orientalist in Göttingen, hat in deutscher Übersetzung ein abessinisches Manuskript herausgegeben, mit einer Einleitung von Prof. Erdmann in Berlin, unter dem Titel: „Zar'a Jacob, ein einsamer Denker in Abessinien44 (Verlag K. Curtius). Gegen Ende der Schrift heißt es: , Ich lebte aber unter den Menschen, indem sie mich für einen Christen hielten. Allein in meinem Herzen glaube ich nur an Gott, den Allschöpfer und Allbehüter, wie er es mich hat erkennen lassen44 (S. 35). In diesen Worten seines Glaubensbekenntnisses ist zugleich der Rationalismus dieses Einsamen ausgesprochen. Gott ist Schöpfer des Menschen und seiner Vernunft Nicht die überlieferten Offenbarungen sind die Zeugnisse Gottes, sondern allein der Verstand, der diese zu prüfen habe, und der in ihnen alle Irrtümer, weil Widersprüche gegen den Verstand, erkennt. Der Begriff dieses Mannes von Verstand oder Vernunft ist naiv und primitiv. Auch sein geschichtliches Verständnis der heiligen Bücher ist unausgebildet. Dennoch möchte Erdmann recht haben mit seinem Urteil, daß die Schrift „eine nicht geringe aktuelle Bedeutung44 habe. Worin besteht sie vornehmlich? Mit dem nüchternen Rationalismus, der das souveräne Recht des Verstandes gegenüber allen Urkunden des Glaubens aller Religionen behauptet, steht verbunden ein ebenso felsenfester Glaube an Gott, der sich nicht nur in den Attributen Gottes ausspricht, sondern in der Kraft des Verstandes, welche das Gebet bildet. Im Gebete wird der Verstand des Menschen positiv. Das sagt der Mann nicht ausdrücklich, aber so darf man ihn verstehen, wenn man seine Ansicht vom Verstände nur naiv linden kann. „Das Gebet aber, das ich morgens und. abends sprach, das ich jeden Tag mit festem Vertrauen

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