Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 7 (10.1.1917)
- Article
- Die Wiederaufrichtung Polens und die Freiheitsbestrebungen der Juden
- Date
- 1917-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rai Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs Dr. Franz Oppenheimer iiiiiiimiiiitiiimittiiiMifiiiifiiiimiiiiiiiiiim I. Jahrgang 10. Januar 1917 Heß 7 iiiiiimMiiimiiHinmiinmiiimiiiiiiiiiiiimmn Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Die Wiederaufrichtung Polens und die Freiheitsbestrebungen der Juden Von Dr. Leon Reich, Graz „Polonia rediviva, Polonia resurrecta!" — auf diesen Grund ton sind alle Jubelsymphonien gestimmt, die allüberall, wo polnische Herzen schlagen, die Unabhängigkeit des neuen Polenreiches verkünden. Gesprengt ist der Sarg, worin die polnische Nation vor 121 Jahren bei vollem Leben ins Grab gesenkt wurde; „das Beben der Auferstehung4' durchzieht die Seele des unter Tyrannenjoch so lange schmachtenden Volkes; über der Weichsel und dem Bug flattert in stolzem Fluge der weiße Adler: Polonia rediviva! . . , * * * Mitten im Kanonendonner, im Höllengetöse blutiger Schlachten, ist das neue Reich geboren, aber nicht den Verwüstungen des Kampfes, sondern dem Segen friedlichen Schaffens ist seine Bestimmung geweiht. Der günstige Moment war ihm der Geburtshelfer, aber nicht dem Moment, sondern der Geschichte gehören die Folgen seiner Entstehung, Und eben deshalb, weil der im Kriege und durch den Krieg gepflanzte Freiheitsbaum der Polen seine Zweige ins Dickicht der Zukunft erstreckt, muß auch die Tragweite dieses historischen Ereignisses in beziig auf die Juden nicht vom Standpunkte der Vor- oder Nachteile des Moments, sondern dem der Zukunftsbedingungen des jüdischen Volkes beurteilt werden. Und indem wir diese Zukunftsbedingungen formulieren, stellen wir uns dadurch keinesfalls in Widerspruch zu den Leitsätzen der Judengeschichte in Polen, sondern schließen sie vielmehr* als im fortgesetzten — vielleicht letzten — Stadium der Entwicklung an die Richtlinien dieser Vergangenheit an. Denn das der Zukunftsentwicklung entgegengesetzte Programm der Assimilation wurzelt nicht im Boden der geschichtlichen Tradition Polens.