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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 176

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Achad Haam [Rezension]
Date
1916-12-25
Page
Seite 176 (sequence 3)
Language
German
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176 das Jisroel projektiert praktische Palästinaarbeit), den Pflanzungen der Ica, vor allem aber in den Siedelungen der zionistischen Organisation. Mag diese Arbeit von ihren Veranstaltern auch vielfach in einem der Achad Haaraschen Idee nicht geraäßen Geiste unternommen werden: die Schwerkraft des altjüdischen nationalen Bodens und die Schwungkraft des jungjüdischen nationalen Geistes bewirken, daß aus jener mannigfaltigen Arbeit dort ein Jischub einheitlichen Geistes entsteht — hebräisch redend, jüdisch lebend, eine Heimstätte jüdischen Volkstums. Ist die Wirkung eine einheitliche, so kann man sich den Wettbewerb in der Arbeit wohl gefallen lassen. Und der Krieg hat bekanntlich das allseitige Interesse an der Palästinaarbeit noch vermehrt. Die Zukunft wird lehren, ob die Siedlung in Palästina den von Achad Haara erwarteten Einfluß auf die gesarate Judenheit üben wird (gewisse Anzeichen sind unleugbar vorhanden). Mag man aber auch in diesem Punkte seine Erwartungen nicht teilen und mag man auch sonst nicht in allem mit ihm übereinstimmen (es ist hier nicht der Raum zu Einzelauseinandersetzungen): derartige Abweichungen beeinträchtigen nicht den Wert de9 Achad Haamschen Werkes für das gegenwärtige jüdische Leben. Und doch — wie wenig ist er außerhalb der nationalgesinnten Kreise bekannt! Das ist beschämend, aljer nicht um Achad Haams willen, sondern um unsertwillen. In den Bibliotheken gebildeter Juden findet man heute Nietzsche, Eucken, Naumann, Carlyle, Emerson als Berater des Lesers in den schwierigen philosophischen und politischen Problemen des europäischen und deutschen Daseins. Fühlen denn diese jüdischen Europäer und Deutschen nicht die' ganz besondere Problematik ihres jüdischen Daseins? Wers bis jetzt nicht fühlte oder die Judenfrage für gelöst oder für ein bloßes Vorurteil hielt, dem hat wohl der Weltkrieg die ganze Fragwürdigkeit der heutigen jüdischen Existenz ins Bewußtsein gehämmert. Wir haben tiefere Philosophen, geistreichere Schriftsteller, größere Gelehrte in der Judenheit als Achad Haara, aber keiner vereinigt wie er Gedankentiefe, Ausdruckskunst und Wissen in einer so durch und durch jüdischen Persönlichkeit. Damm, glaube ich, ist keiner geeigneter, uns Führer zu sein durch die verschlungenen Rätsel der Judenfrage, als Achad Haara. Dr. Sigbert Feuchtwanger (München). \erantwortlich!ftr die Schrlftlcltung: Martin Goetz, Bertin-Charlottcnburg. Nachdruck der Beiträge den Tageszeitungen mit genauer Quellenangabe gestattet. Gedruckt bei JuUus Slttenleld, Hofbuchdrucker., Berlin W.

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