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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 174

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Aus dem österreichischen Okkupationsgebiet
Date
1916-12-25
Page
Seite 174 (sequence 3)
Language
German
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174 Lager wurden diese Wahlen ziemlich frostig aufgenommen: man vermag in den gewählten, gut assimilatoriechen Herren keine geeigneten und berufenen Vertreter der jüdischen Interessen zu erblicken; namentlich im Hinblick auf die fünfte Kurie. In Petrikau wurden unter den 3155 Wahlberechtigten der 5. Kurie bloß 856 Juden gezählt. 535 haben gestimmt. In der 4. Kurie wurden 4 Nationaldemokraten, 2 Unabhängige und 4 Juden, davon 2 Assimilierte, 1 Chassid und 1 Nationalist gewählt. X. R. Litauen Jüdische Auswanderung Um der Not der Juden in Litauen abzuhelfen, fördert die Verwaltung in Ob.-08t in gewissem Maße die Auswanderung der Juden nach Amerika, obwohl sie im Augenblick durch die Verhältnisse erschwert ist. Das Maximum der abwandernden Juden beträgt in jedem Monat 500. Die Auswanderer werden zu je 120 in einem sauberen praktischen Auswandererhaus in Kowno gesammelt und dann nach Rotterdam geschickt, wo sie die Hollaixd-AmerikarLinie nach New York weiterführt.. Ein Beamter des Oberquartiers nimmt sich der Auswanderer in praktischer, liebenswürdiger Weise an. Ein Vertreter der deutschen Schiffsgesellschaft ist ebenfalls sorgsam und taktvoll bemüht, sowie auch der einheimische jüdische Vorsteher des Auawandererhauses. Der Beamte des Oberquartiers hat im Prinzip nicht die Absicht, nur eine bessere Auswahl nach Amerika zu senden; denn es ist ja wesentlich für Litauen, daß die guten Elemente, die sich dort forthelfen können, im Lando bleiben. So wandern auch ganz arme Leute, ältere Männer, Frauen, Kinder und halb wüchsige Burschen aus, die von ihren zu einem gewisen Wohlstand gekommenen Verwandten in Amerika die nötigen Mittel zur Übersiedelung erhalten haben. Eine andere Gruppe Auswanderer besitzt selbst das Geld, um die Überfahrt dorthin zu bezahlen, fürchtet aber infolgo der Dauer des Krieges und der damit verbundenen Erschwerung, Geld zu verdienen, ihre Ersparnisse aufzuzehren, so daß ihnen später eine Möglichkeit, auszuwandern, nicht mehr bleibt Die 120 Leute, die ich während eines halbstündigen Aufenthaltes im Auswandererhaus begrüßen und sprechen konnte, sind vergnügt und froh, einer besseren Zukunft entgegengeführt zu werden. Ich sprach ihnen gut zu und teilte ihnen einiges, was ich in New York und anderen Städten beobachten konnte, gesprächsweise mit. Vielo von den Männern waren Schneider. Sie sprachen ein dem Deutschen sehr nahestehendes Jiddisch fast ohno hebräische oder russische 'Fremdworte. Literaturblatt 030003110000 00000000 Achad Die zwei Bände ausgewählter Auf- 8ät2o Achad Haams (Uscher Ginzbergs), die uns der Jüdische Verlag in trerflicher deutscher Übersetzung vorlegt*), sind eine literarische Merkwürdigkeit Die Aufsätze sind Äußerungen des Schriftstellers aus •) Achad Ha am. Am Scheidewege. J-Bd., 2. Aull. 1913, 2. Bd. 191B; Preis des Bandes 4 M.; zusammen 7.50 M. Haam einem Zeitraum von mehr als 25 Jahren, ein Teil der Aufsätze ist heute fast 30 Jahre alt, fast alle knüpfen an an konkrete Ereignisse des jüdischen Lebens, an Tagesfragen, an literarische Erscheinungen — die Sammlung aber ist wie ein Werk aus einem Guß, eine gedanklich geschlossene, umfassende Erörterung der gesamten Probleme der

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