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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 165

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Chawe
Date
1916-12-25
Page
Seite 165 (sequence 7)
Language
German
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165 sage ich, „sollst du mit mir jetzt lieber nicht sprechen, denn jedes Wort, das du sagst, ist mir wie ein Tropfen Gift und wie ein Dolchstoß ins Herz, Und wenn du mir wirklich ein so guter Freund bist, wie du sagst, so bitte ich dich nur um den einen Gefallen: laß meine Tochter in Ruh!" — „Bist ein närrischer Mensch," antwortet er mir. „Deiner Tochter wird nichts Böses geschehen. Ein großes Glück steht ihr bevor," sagt er, „denn sie ist jetzt Braut, so wahr ich lebe!" —„Amen!" sage ich lächelnd, doch in meinem Herzen brennt eine Hölle. „Und wer ist", frage ich, „ihr Bräutigam? Vielleicht darf ich danach fragen?" — „Du wirst ihn wohl kennen," antwortet er, „Er ist ein sehr braver und anständiger Bursche, sehr gebildet; hat alles ganz allein gelernt; er liebt deine Tochter und will sie heiraten, kann es aber nicht, denn er ist kein Jude." — Es ist Chwedjko! denke ich mir, und es wird mir ganz heiß im Kopf, und kalter Schweiß läuft mir den Rücken herunter. Es ist mir schwer, ruhig im Wagen sitzen zu bleiben. Doch ihm zeigen, wie erregt ich bin, — nein, das erlebt er nicht! Also ziehe ich die Zügel .an, gebe meinem Pferde eins mit der Peitsche und fahre ohne ein Abschiedswort nach Hause. Ich komme nach Hause — da ist die Hölle los! Die Kinder drücken die Gesichter in die Kissen und weinen, Golde ist mehr tot als lebendig. Und wo ist Chawe? Chawe ist nicht da! Fragen, wo sie ist, will ich nicht. Ich brauche auch gar nicht zu fragen, denn es ist mir so weh ums Herz, ich leide alle Höllenqualen, und in mir brennt ein Zorn, ich weiß selbst nicht, gegen wen. Ich wäre imstande, mir selbst ein paar Ohrfeigen zu geben; ich schreie aber auf die Kinder und lasse meine Erbitterung gegen mein Weib aus. . . Ich kann mir keinen Platz finden und gehe in den Stall, dem Pferd sein. Futter geben. . . Aber ich nehme einen Stock und fange das Pferd wütend zu schlagen an. „Verrecken sollst du, mein Unglück bist du! Sollst so leben, wie ich für dich auch nur ein Körnchen Hafer habe! Von meinem Unglück, wenn du willst, kann ich dir geben, von meiner Angst und meiner Pein, von meinem Pech und von .meinen Wunden!" So spreche ich zu meinem Gaul, besinne mich aber bald, daß er ja ganz unschuldig ist. Was will ich nur vor ihm? Ich geb ihm ein wenig gehacktes Stroh und verspreche ihm, daß er am Sabbat, so Gott will, Heu bekommt. Und ich gehe wieder ins Haus und leg mich zu Bett. (Schluß folgt.)

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