Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-25 · Heft 6 (25.12.1916) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 6 (25.12.1916)
Article
Die jiddische Schule in Warschau
Date
1916-12-25
Page
Seite 154 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908697-2909175--0282-2909205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 künde, Zeichnen, Gesang und Handfertigkeit, insgesamt 22 Stunden gelehrt werden, Bei der ersten Klasse kommt noch Hebräisch (mit der Religion) und jüdische Geschichte hinzu. Gesamtzahl 35 Stunden. Bei der zweiten und dritten Klasse noch Geometrie. Die Schiller sind wohl, munter und eifrig, Sie leisten auch gutes in der Handfertigkeit; Rohrflechtwerk und andere Handfertigkeitsarbeiten sind vorzüglich. Alle Pädagogen dürften sich darüber einig sein, daß der beste und erfolgreichste Unterricht den Kindern nur in ihrer Muttersprache gegeben werden kann. Babylon-Bagdad Von Robert W. Horn, Großharthau bei Dresden „An den Wassern Babylons saßeij wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten" (Ps. 137, 1). Babylon ist nicht mehr. Seine Ruinen gibt deutsche Arbeit dem Lichte wieder. Die „Naharot Babylon", die Wasser Babylons, gehen andere Wege. Nur das Gedenken nn Zion ist geblieben, wie die „aram naharaim" die Flüsse Mesopotamiens, Euphrat und Tigris. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, in jenen fernen Gegenden, im Irak, Nachkommen der hohen Beamtenschaft und der Priester aus der Zeit des Königs Jojachin zu finden, der über Israel herrschte und Nebukadnezar 597 v. Chr. erlag. Über zwei Jahrtausende sind seit dem Beginnjenes Exils verflossen. Gewaltige Staaten sind an den Ufern jener Ströme entstanden und verfallen. Geistige Hochburgen des Menschengeschlechts hat der Irak aufblühen, stark werden und erstarren, versinken gesehen, Blühende Staatswesen haben sich im Zweistromlande entwickelt und sind wie ein Traum vergangen. Doch die wenigen Tausende aus dem Volke Israel, die vor so langer Zeit in dieses Land übergeführt wurden, haben ihren Nachkommen bis auf heute Gestalt und Stimme, Haltung und Blick jener kriegerischen Führer hinterlassen, die einst unter Josua, David und Salomon das Reich Israel aufrichteten. Wer den Irak aufsucht, wird einsam. Über den weiten Flächen des dürren Landes liegt ein unfaßbar Geistiges. Ungehemmt schweift der Blick über die Ebenen, und die Klarheit der Luft läßt weit Entferntes wie greifbar nahe erscheinen. Eine unbarmherzige Sonne gibt allen Dingen scharfe, nackte Linien, und am nächtlichen Himmel leuchten nahe, ganz nahe, glühende Sterne, zwischen denen das suchende Auge tief in das blaue rätselhafte Dunkel der Unendlichkeit dringt. Doch ein suchendes Auge bedingt einen suchenden Geist. Und unter denen, die schon 535, nach nur 62 Jahren, die Erlaubnis zur Rückkehr nach der alten Heimat erhielten, müssen sich nicht wenige gefunden haben, die Zion nicht zu Jerusalem suchten, sondern schon da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.