Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 6 (25.12.1916)
- Article
- Juden und Deutsche in der Bukowina
- Date
- 1916-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrai Dr. Eugen Fuchs Dr. Franz Oppenheimer iMfHNfMHHIMtlHIIIIIIIIIIIIIIHMIIIIIIIIIinilllllllllllllliniltlHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIin I. Jahrgang 25. Dezember 1916 Heß 6!H)>mmiuHuiiiiHiiHtiiiiiiiimiimiiiiiiiimiiiiimim Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Juden und Deutsche in der Bukowina Von Dr. W i 1 h e 1 m K o s c h, Professor an der Universität Czernowitz Die Errichtung des Königreichs Polen lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen Erde auf die Ostjudenfrage. Das Manifest des Kaisers von Österreich, das Galizien die Rechte der Selbstverwaltung verheißt, setzt dieses Problem gleichfalls auf die Tagesordnung der brennendsten Gegenwartspolitik. Und wenn auch das künftige Schicksal der östlichsten österreichischen Provinz im Rahmen der Donaumonarchie heute noch unbekannt ist, es verlohnt sich doch, einen Blick in die nationalpoh'tische Vergangenheit der Bukowina zu tun. Denn dort hat man es verstanden, ein friedliches Zusammenleben aller Nationen lange vor dem Kriege wirksam anzubahnen, vorbildlich und wegweisend die Autonomie der einzelnen Völkerschaften und verschiedenen Rassen Schritt für Schritt durchzusetzen. Nirgends vor dem Kriege sind Juden, Ruthenen und Rumänen freier gewesen als in der Bukowina, nirgends haben sich Deutsche, Polen und die anderen Nationen besser vertragen als dort. Die Ursache dieser denkwürdigen Tatsache beruht darin, daß kein Volk und keine Partei dort auch nur den Schein einer Vergewaltigungspolitik auf sich laden wollte und weil keine einzige von ihnen die absolute Mehrheit besaß. Nur auf dem Kompromißweg war eine Majorität von Fall zu Fall möglich. Die Bukowina wurde 1775 mit Rußlands Zustimmung von der damals türkischen Moldau (dem heutigen Nord-Rumänien) losgelöst und Österreich einverleibt. Das Land stand zunächst unter kaiserlicher Militärherrschaft und gehörte als ein eigener Kreis zum Lemberger Gubcrnium. 1848 entstand das Herzogtum Bukowina als gleichberechtigtes Kronland mit der Hauptstadt Czernowitz. Der hier amtierende Landespräsident bekam für seinen Umkreis dieselben Rechte und Pflichten