Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 5 (10.12.1916)
- Article
- Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
- Date
- 1916-12-10
- Page
- Seite 131 (sequence 8)
- Language
- German
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131 neigung zu seiner aus Phönizien stammenden Gemahlin Isebel den Baalskult einführte, als eine neue und allergrößte Verirrung gekennzeichnet (lf>, 8t usw.). Wie scharf an Blick und Wort waren diese Geschichtschreiber Israels überhaupt, wenn es galt, die Untreue ihres Volkes gegenüber den Prinzipien seiner prophetischen Religion zu durchschauen und zu beurteilen! Sie haben nicht, wie manche jetzt so gern ihnen nachsagen, „auf Goldgrund gemalt". Doch meine ich, hier nun den Griffel' niederlegen zu dürfen. Denn schon in den gegebenen Ausführungen konnte dies begründet werden. Weit entfernt, daß die althebräischen Geschichtsbücher die Geringschätzung verdienten, mit der ihnen neuerdings so häufig begegnet wird, beruht diese Verurteilung nur auf einseitiger Betrachtungsweise. Die von der Geschichtswissenschaft als Ideal zu erstrebende a 11 seitige Kritik, welche die jetzt oft vernachlässigten positiven Glaubwürdigkeitsspuren dieser Geschichtswerke mit ebendemselben Eifer wie die etwa zu ihren Ungunsten sprechenden Momente aufsucht, muß zu dem Ergebnis kommen, daß .diese Bücher auch betreffs der älteren Zeiten teils unzweifelhaft echte Poesien und Dokumente und teils direkt und indirekt zitierte sowie nach der jetzt aufgedeckten Schriftgeschichte zu erwartende Baumaterialien enthalten. Die negativen Operationen der Kritik aber haben bei diesen Geschichtsbüchern zwar zur Erkenntnis ihrer teilweisen Zusammengesetztheit geführt, können aber deren Quellenwert keinen absoluten Eintrag tun, wenn diese Seite der Kritik sich nur ihrer notwendigen Grenzen bewußt bleibt und das Grundwasser der Quellenströmungen sachgemäß für wichtiger hält, als das Wellengekreisel, das sich ganz natürlicherweise an ihrer Oberfläche zeigt. Palästinas Untergang Von Heinrich M a r g u 1 i e s, Berlin Nachdem der Verfasser in seinem dieser Tage erscheinenden Buche: „Der Kampf zwischen Bagdad und Suez im Altertum"1) die Linien der damaligen Politik verzeichnet hat. schließt er seine Ausführungen mit folgender Schilderung: Um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde Palästina in seiner beschaulichen Entwickhing gestört. Der Schwerpunkt des Geschehens wanderte von Persisch-Babylonien nach Griechenland, Alexander trat die Weltherrschaft an. Auf dem Zuge nach Ägypten — nach der Schlacht bei Issos — kam er durch Palfistina, w e 1 c h e s n u n m e h r aus einer persischen eine griechische Provinz w u r de. Politisch brauchte dies nicht notwendig eine Änderung zu bo- . deuten, denn das Weltreich blieb im großen und ganzen bestehen und, a) Band 2i der■ Orientbücherei, Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar, Preis etwa Mk. 1,20.