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Neue jüdische Monatshefte · 1916-12-10 · Heft 5 (10.12.1916) · p. Seite 122

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 5 (10.12.1916)
Article
Das Judentum in Ägypten
Date
1916-12-10
Page
Seite 122 (sequence 8)
Language
German
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122 auf einen Turnus von 7 bis 10 Jahren gewählt werden sollten, und gab damit der jungägyptischen Opposition unmittelbar einen Anreiz und die Waffe in die Hand, unbeliebte und auf strenges Recht haltende Briten aus ihrem Amt herauszuärgern, was tatsächlich mit großem Eifer und Erfolg geschehen ist. Auch bei all diesen Mißlichkeiten, deren Druck schwer auf den Massen lastet, ist, wenn das Volk drohend den Knüppel gegen den Geldsack erhebt, meist der Jude der Esel, den es als Träger der drückenden Last im Auge hat. Jenes B/«b7(e oaviov d:io top 'IoveJaewv/hat so noch heute am Nil seine Bedeutung und zersetzende Wirkungskraft, und das Judenproblem steht offen wie in den Tagen der alexandrischen Hebräerhetze unter Caligula. Auch England hat es nicht zu lösen vermocht: wird die Türkei, sollte sie wieder Herr des rechtmäßig ihr gehörigen Ländergutes werden, sich als ein weiserer Staatenlenker erweisen? Die Hoffnung ist gewiß insofern nicht unberechtigt, als gerade die Kriegserfahrungen dem osmanischen Reich mit aller Deutlichkeit gelehrt haben, daß es nur als paritätischer Nationalitätenstaat bestellen kann. Und von der Rechtsgleichheit, die es so all den Teilen der buntgesprenkelten Völkerherde in der weiten Reichshürde zu gewahren haben wird, kann es gewiß auch die Juden nicht ausnehmen; auch für das osmanische Reich ist, genau wie für Deutschland die ostjüdische Streitsache, die levantinisch-jüdische Frage keine Angelegenheit, die nach landläufigen Rezepten, geschichtlichen Analogien und Schlagworten auf irgendeine unfehlbar mathematische Formel moderner Sozialreformer zu bringen ist, sondern nur mit wirklich freiheitlichem Geist glücklich zu entscheiden ist, der nicht in lebentötender Gleichmacherei das Heil eines Staates sieht, sondern das Daseinsrecht aller ungleichen Beanlagungen und Fähigkeiten und die Möglichkeit ihrer Entwicklung zum Guten anerkennt und weiß, daß es nicht die schlechtesten Metalle sind, die der Verschmelzung am meisten widerstreben. Ein Mahnruf Von Feldrabbiner Dr. L e w i n (A. 0. K. 3) Es deckt der Krieg mancherlei auf, was wohltätig oder heuchlerisch der Friede verbarg. Er führt die Menschen enger zusammen, als Beruf und Umgang jemals sie näherten. Für Wochen und Monate preßt er sie auf schmalem Raum aneinander, unter beschränkten, dürftigen Verhältnissen. Stunden schlagen, und Gelegenheiten kommen, wo das Reden versagt, wo die Tat allein frommt, wo der einzelne gilt und sein persönlicher Wert. Es bleibt nicht aus, wenn die Menschen unvermittelt sich kennen lernen, daß sie einander näher kommen, daß sie sich geistig berühren, Empfänglichkeit und Verständnis wechselseitig erwerben. Schranken fallen, Vorurteile zerflattern. Aber umgekehrt auch, weil sie so nahe zusammenweilen, wird ihnen deutlich bewußt,

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