Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 5 (10.12.1916)
- Article
- Das Judentum in Ägypten
- Date
- 1916-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal Im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs Dr. Franz Oppenheimer iiiiHiiittiiiniH/iuniiniMniiniHiiiniiiJHiJiniiiiiim I. Jahrgang 10. Dezember 1916 Heft 5 ifiMiiiiiiiiuiiiiiimiiiiiimiimiimmimim Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Das Judentum in Ägypten Von Dr. B. L. Freiherr v. Mackay, München Woher stammen die Juden? Die gemeine Antwort auf die Frage wird lauten: aus Ägypten. Man sagt': Israels Vorfahren, die ursprünglich Nomaden in den Steppen des die Nilebene einfassenden Hochlandes waren, wanderten nach Kanaan aus als Welle der aramäisch-hebräischen Hochflut, die in den Zeiten des Babylonischen Reichs in Syrien und das Zweistromland einbrach. Geschichtlich bezeugt ist jedenfalls ihr Aufenthalt in Gosen, dem ägyptischen Grcnzland, wohin sie der Hunger getrieben hatte. Dem harten Frondienst, den ihnen die ägyptischen Könige bei der Anlage von Festungen auferlegten, wollten sie sich in altväterlichem Freiheitsdrang nicht beugen: so faßten sie den Entschluß zur Flucht nordwärts. Nach Tacitus (Hist. V, 2) sollen die Juden Nachkommen der Äthiopen sein, was wieder mit dem Glauben der .Falascha übereinstimmt, die sich für enge Stammverwandte der Juden halten. Die moderne Ethnographie und Anthropologie greift aber diese überlieferten Auffassungen von der Wurzelung des Judentums heftig an. v, Erckert wies erstmals 1888 auf die überraschende Ähnlichkeit der Kaukasusvölker mit den Juden hin, und v. L lisch an stellte auf der Anthropologenversammlung zu Ulm 1892 die vollkommene Übereinstimmung des Körperbaues der Armenier mit den Juden fest. Die ganze Frage hängt engstens mit dem Problem des „Scmitentumsu zusammen, das zeitgenössische Forschungen in ganz neue Belichtungen gerückt haben. Schon Ratzel nannte den Ausdruck „semitische Rasse" nicht nur wertlos, sondern verwerflich; Bastian verfehmte ihn als ein „Nebelgebilde unserer Denkoperationen", und Barth meinte, es sei völlig unsinnig, von semitischen und kuschitischen Völkern ohne Berücksichtigung der Haussa zu sprechen. Es geht eben in der Tai