Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Sozialpolitik und die Ostjudenfrage [Rezension]
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
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114 Berufsbeschrünkung vorlassen und sich in allen Berufen betätigen, vor allem auch als Bauern. München. Dr. Sigbert Feuchtwanger. Dr. E. Zivier, Zur Rassen- und Ostjudenfrage. Posen 1916. Joseph .Jolowiez. 59 Seiten 8 °. Das Schriftchen von Zivier, eine Streitschrift zu einer aktuellen Streitfrage, teilt die Vorzüge und Mängel vieler Streitschriften: es ist tüchtig in der Kritik, aber sehwach im Positiven. Vorzüglich ist die Abweisung der politisch verwerteten Kassentheorie und ihres Matadors, des englischen Deutschen Houston Stewart Chamberlain — aber leider steht sie nur in sehr losem Zusammenhang mit der eigentlichen Ostjudenfrage. Es ist jedenfalls anzuerkennen, daß 7j. nicht wie andere Kritiker ins entgegengesetzte Extrem verfällt, daß er vielmehr die Bedeutung des Rassenfaktors in der Judenfrage — wenn auch nicht durchgängig — anerkennt. Auch das zweite Hauptkapitel j „Ostjuden" ist ausgezeichnet, soweit | es Geschichte und heutigen Stand der Ostjudenhcit beschreibend darstellt. Dagegen ist scharf abzulehnen die künstlich herbeigezogene Folgerung, daß die Ostjuden keine eigene Nationalität darstellen, oder wie Z. es ausdrückt, ..national indifferent sind;i. Sie selbst und die Majoritäten, unter denen sie wohnen, sind anderer Meinung, und das dürfte entscheidend sein. Eine Frage läßt sich nicht aus der Welt schaffen, indem man sie hinwegdisputiert. Infolge dieser ungenügenden Grundlage ist das wichtige Schluß- . , kapitel „Zukunft" etwas dürftig ausgefallen.' Daß die bloße Gewährleistung der staatsbürgerlichen Gleichheit die Ostjudenfrage nicht lösen kann, empfindet Z. selbst. Hier beginnt ja erst das Problem. Wenn er trotzdem gegen die Konstituierung der Ostjuden als besonderer Nationalität polemisiert, so läßt er eben das Problem ungelöst. Er befürchtet hiervon die Entstehung von Nationalitätskämpfen. Nun, die werden ohnehin und in jedem Falle kommen. Der Zukunft einfach es zuzuschieben, „welcher Nationalität sich die Ostjuden anschließen werden", heißt die unerquickliche krampfhafte Assimilierungspolitik befürworten, die in Westeuropa der Ruin des Judentums geworden ist. Die geschichtliche Entwicklung wird hoffentlich andere Wege gehen. Dr. Elias Auerbach. „Skizzen aus Litauen, Weißrußland und Kurland." 00 Stei.nzeichnungen mit Text, von Hermann Struck und Herbert Eulenberg. Hergestellt in der Druckerei des Oberbefehlshabers Ost. Verlag von Georg Stilke. 1916. Preis M. 10,—. Das vorliegende Buch ist eine sehr eigenartige Erscheinung. Es ist ein Novum, daß Künstler sozusagen als Beauftragte einer Kriegsverwaltung die Schilderung von Land und Leuten übernehmen. Einen ganz besonderen Charakter gewinnt eine solche Arbeit, wenn sie von zwei so hervorragenden Künstlern wie Struck und Eulenberg in einträchtiger Zusammenarbeit geleistet .wird. Das in der Druckerei des Oberbefehlshabers Ost hergestellte Werk ist von großer Schönheit. Es bringt aus der Meisterhand Hermann. Strucks eine große Anzahl von Zeichnungen, die in Steindruck wiedergegeben .sind, und die für diesen Meister des Zeichenstifts besondere charakteristisch sind. Typische Erscheinungen der litauischen und jüdischen Bevölkerung sind mit großer Sicherheit herausgegriffen und in genialer Weise zu Papier gebracht. Die Eigenart dieses stillen und weltfernen Landes wird dem Beschauer nähergebracht, als die langatmigsten Beschreibungen es vermöchten. Herbert Eulen borg begleitet die Zeichnungen mit ernsten und humoristischen Erklärungen, die sich aufs glücklichste mit den Zeichnungen zusammenfügen. A. F. Verantwortlich: Martin Üoetz, Berlin-Charlottenburg. Nachdruck der Beitrage den Tages- .. , -Uttel. , Berlin W. zeltungen mit genauer Quellenangabe gestattet. Gedruckt bei Julius Sittenl'cld» Ilofbucndrucke