Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Aus den Geschichten des heiligen Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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106 „Der Schöpfer der Welt hatte die Thora als einzige Tochter. Er wollte sie mit Esau, oder Ismael, oder einem andern reichen Volke verheiraten. Da sagte ihm aber unser Lehrer Moses seligen Andenkens: ,5chöpfer der Welt, verheirate deine Tochter mit keinem der reichen Völker; sie werden sie nicht gut behandeln, denn die Mitgift> die du ihr gibst, das Erez Israel, hat für sie gar keinen Wert: sie haben auch so Reichtum und Lander genug. Ich weife aber einen armen Jüngling im Ägypterland, namens Israel - bei ihm wird deine Tochter das schönste Leben haben/ Der himmlische Vater ging darauf ein und erteilte dem Schadehen Moses die Vollmacht, die Partie abzuschließen. So bekam Israel die Thora zur Frau. Als der junge Mann die reiche Frau schlecht behandelte, lief sie zu-ihrem himmlischen Vater und erhob Klage, und der Vater vertrieb den Schwiegersohn nach Babylonien. Israel bat aber um Verzeihung und gab das Versprechen, seine Frau in Zukunft gut zu behandeln, und der Vater stiftete zwischen den Ehegatten Frieden. Doch der Schwiegersohn mißhandelte seine Frau bald jioch schlimmer als früher, und der Vater warf ihn aus seinem Palaste hinaus. Der Schwiegersohn erhob ein großes Geschrei und sagte, daß er das Erez Israel ohne die Tod\ter haben möchte. Darauf antwortete der Vater im Himmel: ,Das Erez Israel, das heißt die Mitgift meiner Tochter Thora, gab ich dir damals nur unter der Bedingung, daß du mit ihr gut lebst. Wenn du aber meine einzige Tochter nicht zu schätzen weißt, wie kommst du dazu, das Erez Israel.zu verlangen?"* Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft 4. Monotheismus und Messianismus Von Hermann Cohen L Der Glaube an Gott ist der Glaube an die sittliche Weltordnung. Der Unglaube ist mehr oder weniger bewußt der Zweifel an dem Unterschiede der sittlichen Welt von der Natur in aller ihrer Gesetzlichkeit. Hätte der Einzige Gott nur die Bedeutung des einzigen Seins, so bestünde seine Bedeutung nur für die Philosophie, die alsdann mit dem Pantheismus und dem Monismus über den Begriff des Seins zu streiten hätte. Und wer der Philosophie entsagen wollte, der könnte sich auch der Sorge um Gott entledigt glauben. In der Tat ist der Zusammenhang zwischen dem Gottesgedanken und der Philosophie die Aufgabe, wie des sittlichen Geistes in seiner wissenschaftlichen Verfassung, so aber auch die der allgemeinen menschlichen Bildung.