Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Aus den Geschichten des heiligen Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 105 (sequence 1)
- Language
- German
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105 Aus den Geschichten des heiligen Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew Deutsch von Alexander Eilasberg I. Die Mitgift Dem Berditschewer Zaddik erzählte man von einem gewissen Juden, der sich viel mit öffentlichen Angelegenheiten befaßte und bei den hochgestellten Personen gro&es Ansehen genoß, daß er die Absicht habe, das Volk Israel aus der Verbannung zu erlösen. Darauf antwortete Rabbi Levi-Jizchok mit folgendem schönen Gleichnis: „Es war einmal ein Millionär, #er eine einzige Tochter hatte. Sie war sehr schön von Angesicht und gelehrt in allen Wissenschaften. Für diese Tochter suchte er eine reiche Partie. Doch einer seiner Freunde riet ihm, einen Schwiegersohn aus armen Verhältnissen zu nehmen: ein reicher Schwiegersohn, der in einem reichen Hause auferzogen worden und allerlei Vergnügungen gewohnt sei, werde sich aus dem Reichtum seines Sdwiegerva&rs' gar nichts machen und seine Frau wahrscheinlich schlecht behandeln. Ein armer Schwiegersohn werde aber seine reiche Frau immer zu schätzen wissen, weil ihr Vater ihn so glüddich gemacht habe; das Mädchen werde bei ihm ein gutes und süßes Leben haben. „Dieser Rat gefiel dem Millionär sehr gut, und er verheiratete seine einzige Tochter mit einem armen Jüngling, dem er bei der Hochzeit ein großes Vermögen schenkte. Nach einiger Zeit begann der Ehemann seine Frau zu beschimpfen und schlecht zu behandeln. Sie lief zu ihrem Vater und weinte und klagte, daß ihr Mann sie sehr gemein behandle. Der Vater wurde zornig und warf den Schwiegersohn hinaus. Dieser bat aber seinen reichen Schwiegervater um Verzeihung und versprach ihm, daß es nicht wieder vorkommen werde. Vater und Tochter ließen sich erweichen, und es wurde zwischen ihnen Friede. Doch nach kurzer Zeit kam die Tochter wieder weinend und jammernd zu ihrem Vater gelaufen und klagte, daß ihr Mann sie schlage und beschimpfe. Der Vater geriet in Zorn und warf ihn wieder hinaus. Doch der junge Mann forderte nun von seinem Schwiegervater das Vermögen, das dieser ihm geschenkt hatte. Der Schwiegervater antwortete darauf: ,Das Vermögen gab ich dir nur unter der Bedingung, daß du meine Tochter gut behandelst. Wenn du aber mein Kind nicht zu schätzen weißt, so gehört das Vermögen nicht dir/