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Neue jüdische Monatshefte · 1916-11-25 · Heft 4 (25.11.1916) · p. Seite 104

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 4 (25.11.1916)
Article
Das jiddische Votum
Date
1916-11-25
Page
Seite 104 (sequence 3)
Language
German
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104 jeder Partei ißt ein bildliches Emblem angebracht Für die Republikaner der Adler, für die Demokraten der Hahn. Und unter diesem Bildnis oder Parteizeichen befindet sich ein Ring. Der Stimmgeber zeichnet in den Innenraum des Kreises ein Kreuz hinein und dadurch hat er für die sämtlichen Kandidaten der betreffenden Partei seine Bevorzugung dokumentiert. Der unabhängig Denkende und an keine Parteirücksichten gebundene oder verpflichtete Wähler dagegen macht nur vor solche Namen das vorgeschriebene Kreuzzeichen, der als Kandidat als die geeignetste Person für das betreffende Amt erachtet ist. Er kann beispielsweise den demokratischen Kongreßkandidaten bevorzugen, weil er trotz seiner republikanischen Parteiangehörigkeit diesen anderen Kandidaten für das Amt geeigneter hält. Oder auch umgekehrt. Der Maschinenpolitiker kann sich auf eine derartige Unterscheidung nicht einlassen. Er ist Demokrat, Republikaner oder Sozialist, pur and simple. Noch weniger darf und kann er gestatten, daß die Wähler sich eine solche Unabhängigkeit, wie eine eigene Meinung oder Ansicht zu haben, erlauben. Sie müssen, ohne Streichungen oder Änderungen vorzunehmen, den ganzen parteipolitischen Wahlzettel mit Haut und Haaren verschlucken, das heißt, das Kreuz in dem Ring unter dem Adler oder unter dem Hahn einzeichnen. In der „Wahlzettelbenutzungsunterrichtsschuleu eines jiddischen Distrikts eines Bezirkshäuptlings wird auf der Wandtafel ein Faksimile des Wahlzettels mit Kreide vorgezeichnet und dem neuen Bürger der großen freien Republik erläutert, wie er am Wahltage von seinem Bürgerrecht Gebrauch zu machen hat. „Was seht Ihr hier?'4 „Das ist ein Hahn." „Was ist hier?" „Das ist ein Adler." „Was bedeutet der Hahn?" „Er ist das Abzeichen der demokratishen Partei." „Sehr gut." „Was bedeutet der Adler?" „Er ist das glorreiche Sinnbild unserer eigenen Partei und das verheißungsvolle Abbild eines glänzenden republikanischen Wahlsieges." „Bravo!" „Was macht man mit einem Hahn am Erew Jörn Kippur1)?" „M' schlägt kapores-)." „Und w*is macht Ihr am Wahltage mit den demokratischen Kandidaten?" „Selbstverständlich — kapores." l) Am Vortage des Versöhnungstages. fl) Ein Hahn (oder eine Henne) wird unter religiösen Zeremonien, die das Opfer symbolisieren, abgeschlachtet; figürlich: den Sündenbock abgeben, zum Teufel jagen.

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