Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 4 (25.11.1916)
- Article
- Der Geschichtsquellenwert der althebräischen Literatur
- Date
- 1916-11-25
- Page
- Seite 102 (sequence 9)
- Language
- German
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102 Doch selbst betreffs derjenigen Partien der hebräischen Geschichtsbücher über die älteste Zeit, für die nur die mündliche Überlieferung als Quelle vorausgesetzt werden könnte, ist immerhin noch der ebenfalls bis jetzt kaum beachtete Umstand zu berücksichtigen, daß das Gedächtnis der Menschen in der schriftlosen Periode viel elastischer ist als in der Zeit, wo es sich auf den Schriftgebrauch verlassen konnte. Wie dies schon vom psychologischen Gesichtspunkt aus vollbegreiflich ist, so wird es auch durch so scharfsinnige Männer, wie Julius Cäsar einer war, betont und durch viele Tatsachen von jahrhundertelanger Vererbung ausführlicher Dichtungen und anderer Texte bewiesen0). (Schluß folgt) Das jiddische Votum Von Dr. L.Darmstadter Im Kampfe um die amerikanische Präsidentschaft ist der jüdische Stimmgeber mit ausschlaggebend, wenigstens in den Großstädten mit ihren dichtbevölkerten Ghettos, und da in dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten Politik Geschäft ist, so ist's auch nicht erstaunlich, wenn unternehmende Spekulanten sich auch auf diesen Handelszweig geworfen und dadurch einflußreich oder vermögend oder beides zugleich geworden sind. Einige der Unternehmer sind sogar im Besitze eines nur schwer zu bekämpfenden Monopols, das heißt, sie tragen eine gewisse Anzahl von Stimmen, amerikanisch gesprochen, wie - Diamantenunterhändler die Steine, in der Brusttasche mit sich herum, und verschachern auf dem politischen Rialto die Ware an den — Meistbietenden. Die „Republikanisch-Hebräischen" oder „Hebrew Democratic Clubsu sind Erscheinungen der Neuzeit, sie sind erst in der Mitte der achtziger Jahre durch die starke Einwanderung der osteuropäischen Juden entstanden und werden seitdem wie Treibhauspflanzen mit fast rührender Sorgfalt und Aufmerksamkeit gezüchtet. Der politische Gärtner nimmt Bedacht, daß das zarte Pflanzchen nicht durch rauhe Gegenwinde geschädigt wird oder gar im Garten der Gegenpartei Wurzel schlägt. Ein armer Einwanderer landet in New York, Philadelphia, Chicago oder in einer anderen amerikanischen Großstadt. Er ist fremd und verlassen. Er sucht selbstredend seinen Verwandten, Bekannten oder Freund aus seinem Heimatsort auf und der bringt ihn zum Großmogul, der infolge seiner Beziehungen zu den politischen Machthabers imstande ist, dem Arbeit oder Unterkommen Suchenden beizustehen. Der Neuankömmling wird Straßenhausierer, Gemüse-, Obst- oder Zeitungsverkäufer, was immer er auch beginnen mag, er muß die Genehmigung von der Polizei- oder Magistratsbehörde, die Erlaubniskarte haben, um unbelästigt von der Polizei seinem Beruf nachgehen zu können. Der Großmogul vermittelt. Der Neuankömmling wird wegen einer Übertretung °) Gerade auch dieser Punkt ist voll entfaltet und belegt in den kritischen Prolegomeka meiner oben zitierten Geschichte (1915), S. 1 ff.