Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 3 (10.11.1916)
- Article
- Jüdische Bibliophilenbücher [Rezension]
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
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84 an denen solche Bestrebungen wahrzunehmen sind, weisen die gleichen Fehler und Verirrungen auf, wie die meisten um jene Zeit erschienenen Bücher. Der „Buchschmuck", der alles andere als Schmuck war, feierte wahre Orgion, und jedes von einem gewissen jüdischen Graphiker im „Jugendstil44 übelster Art geschmückte Buch galt als schön. Erst allmählich gelängten der jüdische Verleger und der jüdische Bücherkäufer — wie auch jeder andere Verleger und Bücherkäufer in Deutschland — zur Erkenntnis, daß die Schönheit des Buches nicht auf dem Buchschmuck, sondern auf der rein handwerksmäßigen Vollkommenheit des typographischen Erzeugnisses beruht. Und heute ist man so weit, daß der Bibliophile in seinem Schrank eine Abteilung für jüdische Bücher errichten kann. In dieser jüdischen Abteilung der Bibliophilcnsammlung stehen bereits von früher her zwei Werke, die zwar einen jüdischen Inhalt haben, aber bei nichtjüdischen Verlegern erschienen sind. Das sind die von E. II. Weiß vortrefflich ausgestatteten Bubers „Geschichten des Rabbi Nach-, man" und Ben-Gorions „Sagen der Juden44 (beide Werke bei der Literarischen Anstalt von Kütten und Loening in Frankfurt am Main). In beiden Werken und ganz besonders im letzteren ist zum ersten Male der rechte Stil für das moderne jüdische Buch gefunden worden: herb, beinahe asketisch und in der weisen Abwägung von Schwarz und Weiß an die Arbeiten eines Thoraschreibers gemahnend. E. 11. Weiß löste wirklich das Problem, um das sich der erwähnte jüdische Graphiker vergebens bemüht hatte. Wir wollen hier aber von Erzeugnissen jüdischer Verleger sprechen. An erster Stelle sind hier die neueren Verlagswerke des „Jüdischen Verlags" in Berlin zu nennen. Das erste vom Standpunkte des Bibliophilen gute Buch brachto dieser Verlag im Jahre 1914 heraus. Es ist dies Adolf Friedemanns „Leben Theodor Herzls". Schon die einfache Ausgabe dieses bei Spamer in Leipzig gedruckten Buches (M. 2.—).ist gut: der schwarze Pappeinband mit gelbem Titelschild sogar sehr gefällig. Die Vorzugsausgabo des gleichen Buches ist auf sehr schwerem holländischen Bütten gedruckt und in grünes Wildleder gebunden. Der sparsam mit goldener Leiste und dem Verlagssignet in Blinddruck geschmückte Einband ist ganz hervorragend schön. Während die einfache Ausgabe ein autotvpisehes Bildnis Herzls enthält, ist der Vorzugsausgabe eine Photogravüre nach einer Zeichnung von Hermann Struck beigegeben. Von dem auch an dieser Stelle besprochenen „Buch von den polnischen Juden" brachte der Jüdische Verlag eine Luxusausgabe in 50 Exemplaren zu 12 Mark heraus. Diese Ausgabe ist auf ein sehr edles Bütten gedruckt und in Pergament gebunden. Glücklicherweiso fehlt in der Luxusausgäbe die recht mittelmäßige Umschlagszeichnung der einfachen Ausgabe. Der Pergamenteinband mit dem sehr geschickt angebrachten Titel in Gold wirkt überaus vornehm. Das Buch ist mit den gleichen autotypischen Abbildungen illustriert wie die einfache Ausgabe. Fast gleichzeitig mit diesem Werk erschien im Jüdischen Verlag Martin Bubers „Die jüdische Bewegung" mit Umschlagszeichnung von E. R. Weiß. Die Vorzugsausgabe dieses Buches (50 Exemplare zu 12.— M.) ist wohl das schönste Buch, das der Jüdische Verlag bisher herausgebracht hat. Das Buch ist bei Spamer auf weiches Bütten in einer edlen Antiqua gedruckt und in Pergament gebunden. Satzanordnung und Druck sind gleich hervorragend. Die mattgoldene Titelschrift von E. R. Weiß wirkt auf der grobnarbigen Pergamentdecke überaus glücklich. Das Buch ist ein wahres Schmuckstück, auf das der Verlag wirklich stolz sein kann. Im Jahre 1914: erschien noch ein zweites dem Andenken Theodor Herzls gewidmetes Werk: „Sechs Kongreßreden", von der Zionistischen Ortsgruppe Leipzig zu Herzls zehntem Todestage in vierhundert numerierten Exemplaren herausgegeben. Diese in einer großen Type der Tiemann- Antiqua auf ein herrliches japanartiges Papier gedruckte Schrift gehört zu den schönsten Drucken der berühmten Drugulinschen Offizin und wirkt in Format, Satzspiegel und Schriftanordnung direkt monumental. Der weiße Pappeinbund mit einer einzigen goldenen Schriftzeile ist von schlichter Vor-