Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 3 (10.11.1916)
- Article
- Über die Stellung des Salomonischen Tempels in der Weltarchitektur
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 75 (sequence 4)
- Language
- German
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75 wegen der Vergänglichkeit des Materials nicht erhalten sind, während dieses bei den aus dem lebenden Fels gearbeiteten Grotten viel besser der Fall ist, müssen dem Baumeister die Anregung gegeben haben. Die Ägypter waren viel zu selbstbewußt und abgeschlossen, als daß es ihnen irgendwie eingefallen wäre, für ihre Religion und deren Kultstätten Propaganda zu machen. So hat Salomo das große Verdienst, zum erstenmal in großen Verhältnissen —■ denn die erwähnten Grotten haben wohl kaum eine „offizielle14 Rolle gespielt, sondern dienten mehr „illegitimen44 Religionen, gegen die Hesekiel in der oben erwähnten Stelle auch wettert — und in reichster und prunkvoller Weise diese Form zur Geltung gebracht zu haben2), und das noch dazu in Jerusalem, einem Ort, der an einer der zentralsten Stellen des damaligen Weltverkehrs lag. So mußte der Tempel in der Hauptstadt des jüdischen Reiches den Angehörigen von allerlei Völkern, die ihn bei der Durchreise sahen, einen gewaltigen Eindruck machen und sie zur Nachahmung in ihrer Heimat anregen. So erklärte sich, daß wir dieselbe Grundform bis in entlegene Länder und Zeiten, in Etrurien und im christlichen Kirchenbau wiederfinden. Um kurz zusammenzufassen: Der Tempel Salomos in seinem Grundriß ist zwar kein absolutes Novum, denn in der Kunstgeschichte ist ein solches schwer zu finden, eine Form entwickelt sich dort' aus der andern, wohl aber der erste große Ausdruck einer künstlerisch befriedigenden Form, an geeigneter Stelle, um so den weitestgehenden Einfluß auf spätere sakrale Bauten auszuüben. §ur $fy<S)olo%xt bcv jüfctfcfyen Spracfje* Von <3ol}. Konftft.^Hat prof. D. Dr. ^ermann f. Stxad in £crltn*£ttf?terfelbc W. 3n den 3flfy*cn \S7o— [876 weilte xd\ in Petersburg, tun die liegen tfyres Alfters und der Anwendung der „oberen" pnnfiation tpcrtooltc fjand« fcfjrtft der prop^cten pfyotolttfyograpfyfd} fyeraussugeben: Codex prophetarum posteriorum Babylonicus Petropolitanus, £ctp3tg {876. 2Uxf einer metner damaligen iafyrtcn uon Petersburg nad? Berlin ernxirb icl] eine Jtnsaljl jüdtfdjcr Sdjriftcn von <£iftf IMckx Vit und anderen und maditc fo die erfte nähere Scfanntfdjaft mit der jüdifdjen Spradjc. Vwdi andere pflichten in 21nfprud] genommen, fonnte id) dtefer Ctteratur nur mit großen llnterbred^ungcn einige 21ufmerffamFett widmen, lladi Beginn des großen Krieges, den in «England Eduard VII. und (Eduard <5rey 2) Es muß noch erwähnt werden, daß allerdings etwas früher, nämlich beim Anu-Addad-Tempel dieselbe Form vorkommt. Aber aus verschiedenen Gründen ist anzunehmen und wird in der „Zeitschrift für EthnologieCi auseinandergesetzt werden, daß sie ebenfalls nur von den genannten Kultgrotten respektive den ihnen entsprechenden oberirdischen Bauten abhängt.