Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 3 (10.11.1916)
- Article
- Über die Stellung des Salomonischen Tempels in der Weltarchitektur
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 73 (sequence 2)
- Language
- German
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73 völlig müßig und überflüssig zu sein und sind es auch meistens. Wenn man aber einmal näher darüber nachdenkt, so zeigt sich doch, von welch' entscheidendem Einfluß die geographische Lage für ein Kulturzentrum sein kann, wenn es sich um die Ausstrahlung und Wirkung seiner Kultur auf andere Völker und Länder handelt. Der syrische Küstensaum und Palästina, was den äußeren Umfang betrifft, winzig klein im Vergleich zu den drei großen Kulturreichen des frühen Altertums, Babylonien, Ägypten und Chatti, sind doch eins der wichtigsten antiken Zentren gewesen. Man kann fast sagen, das Zentrum in dem sich die Einflüsse der Kulturen der eben genannten Reiche kreuzten und aufeinander einwirkten, um dann von dort aus, besonders nach Westen hin, durch Vermittlung verschiedener Stämme, von denen die etwas überschätzten Phönizier und später die Griechen die bekanntesten sind, befruchtend zu wirken. Wenn diese Auffassung auch mit einer anderen Richtung, die ich die „Pan-Arische" genannt habe, im schroffen Widerspruch steht, so hat sie doch den Vorzug, daß sie sich beweisen läßt, was man nicht immer von den „Dogmen" der „Pan¬ Arier", die rein historische Disziplinen öfter mit unerquicklichen politischen Ansichten, wie Antisemitismus und ähnlichem, zu vermengen pflegen, behaupten kann. Eben diese Lage an der großen Handels- und Verkehrsstraße, die von Ägypten, der Heimat einer uralten, streng entwickelten und abgeschlossenen Kultur, nach dem Hettiterland führte, mit seinen ewig unruhigen, hin- und herflutenden Stämmen, die wieder in regen Beziehungen zu Mesopotamien standen, hat es möglich gemacht, daß eine Bauform, die zwar im letzten Grunde keine jüdische Schöpfung war, zu diesem Volke gelangte. Von ihnen erst wurde sie voll gewürdigt und dann zum höchsten Zweck, zur Erbauung des Hauses des Herrn, benutzt. Es ist die Vereinigung von Quer- und Längscella beim Sakralbau. Die ältesten Tempel, die wir aus Mesopotamien kennen, erbaut im Anfange des zweiten vorchristlichen Jahrtausends, bestehen aus zwei Querzellen, d. h. aus zwei parallel nebeneinanderliegenden langen Sälen, die bedeutend länger als breit waren. Der Gläubige betrat sie durch eine in der Mitte der Breitseite befindliche Tür. Im zweiten Räume befand sich " dann, der Tür gegenüber, auf einem großen Sockel, das Kultbild der Gottheit. Es würde uns zu weit führen, genau zu erörtern, wie man zu dieser eigentümlichen und unschönen Bauform kam. Ein Versuch der Lösung dieser schwierigen Frage wird in der Arbeit, die ich in der ersten Fußnote erwähnte, gemacht werden. Ich sagte eben: wenig schöne Bauform, und das war sie tatsächlich; man stelle sich den Eindruck vor, den man beim Betreten eines langen und dabei schmalen Saales von der Breitseite her hat, wenn man dabei gleich — sit venia verbo — mit der Nase an die gegenüberliegende Wand stößt, während