Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 3 (10.11.1916)
- Article
- Wir und die Ostjuden
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 66 (sequence 9)
- Language
- German
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66 bination gefordert werden kann und muß. Auf diesen Punkt allein aber beziehen sich die abweichenden^Meinungen, soweit ich sie kenne. Jüdische Politik ist ein schweres Ding. Ohne tatsächliche Machtmittel, abhängig von der Gunst Dritter, und beim Eintreten für ein verängstigtes, mutlos gewordenes Volk bleibt jedes Schaffen ein Wagnis, das zum Mißlingen führen kann. Auch der deutsche Jude befaßt sich heute noch zaghaft und gerade deswegen nicht immer glücklich mit öffentlichen Dingen. Um so nötiger scheint es, daß wir uns endlich politisieren und ernsthaft darangehen, unsere eigenen Angelegenheiten und die uns Nahestehender nachdrücklich zu betreiben. Wir müssen ohne Zaudern tun, was wir als unsere Pflicht erkennen, ohne Rücksicht auf mögliche Vorwürfe nachträglich Kluger, die vorher untätig beiseite standen. Hat doch schon Lessing gesagt: „Es wäre wenig in der Welt unternommen worden, wenn man stets nur auf den Ausgang gesehen hätte.44 Eine Erklärung der polnisdi-jüdischen Assimilanten Es ist unter den obwaltenden Verhältnissen natürlich sehr schwer, eine klare Kundgebung der jüdischen Parteien Polens über ihre Wünsche und Ziele zu erreichen. Gerade deswegen ist die untenstehende Erklärung von besonderem Interesse, die in einer von dem „Komitee für den Osten44 im Februar d, J. mit Bewilligung der Verwaltung veranstalteten Besprechung mit den Führern aller Warschauer politischen Gruppen verlesen wurde und allseitige Zustimmung gefunden hat. Bei der Besprechung waren zugegen: Vertreter der Assimilanten, Neoassimilanten, des Bundes, der Poale-Zion, der Zionisten, der Nationalisten und der Chassidim. Erklärung der Assimilanten: „Indem wir das Judentum als ein nationalbildendes Element nicht anerkennen, indem wir, weiter, in die Möglichkeit der kulturellen Entwicklung des jüdischen Jargons keinen Glauben besitzen und endlich die Assimilation als einzig wirksames Mittel der Regelung der jüdischen Frage auf der Grundlage des kulturellen Fortschrittes anerkennen (obwohl wir einsehen, daß diese Entwicklung nur stufenweise vor sich gehen muß), sind wir jedoch vonderz wangsmäßigen politischen Assimilation der jüdischen Massen weit entfernt. Ebenso erkennen wir an, daß die Massen Erziehungsmethoden, die ihrem inneren Wesen angepaßt sind, genießen müssen. Wir sind deswegen der Meinung, daß der Gedanke eines verfassungsmäßigen und gesetzlieh