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Neue jüdische Monatshefte · 1916-10-25 · Heft 2 (25.10.1916) · p. Seite 54

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 2 (25.10.1916)
Article
Soziologische Tagebuchblätter
Date
1916-10-25
Page
Seite 54 (sequence 3)
Language
German
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54 Zum Überfluß zeigt Brentano zuletzt noch, daß die Psychologie der „Wüstenbewohner* genau das Gegenteil dessen ist, was Sombart rein konstruktiv behauptet. Sie sind gar nicht Rationalisten, sondern im Gegenteil Mystiker und Phantasiemenschen, trotz der „kältesten14 Wald- und Sumpfvölker. Und — waren die Juden in ihrer Hauptmasse überhaupt Wüsten-Beduinen? Auch das ist mehr als zweifelhaft. Die Brentanosche Meisterarbeit gehört in jede jüdische Bibliothek. Wir sind gespannt, was Sombart antworten wird. Leicht ist ihm die Verteidigung nicht gemacht. f QD 00 HD QU 03 ÖD OD Umschau 00000001)© Polen Judenpolitik des Warschauer | Magistrats. Die Grundlage für die Einrichtung jüdischer Schulen in Polen ist durch die Hindenburgsche Schulverordnung gegeben, die später durch eine Reihe von Verordnungen der Zivilverwaltung ergänzt wurde, Der Grundgedanke dieser Verordnungen war die gleichmäßige Berücksichtigung aller Nationalitäten Polens und ihrer sprachlichen Eigenart. Leider ist bei den Maßnahmen der polnischen Selbstverwaltungskörper von dieser klugen Rücksichtnahme wenig zu bemerken. Es ist bisher nicht möglich gewesen, den Magistrat zur Einrichtung anderer Schulen als solcher mit polnischer Umgangssprache zu veranlassen, und die getroffenen Maßnahmen zeigen auch im übrigen wenig Gerechtigkeitssinn. Im S c h u 1 j a h r 1915—IG sollte es nach dem Etat der Stadtverwaltung in Warschau 700 Schulabteilungen . geben, von denen jede etwa 40 Schüler umfassen sollte. Alle diese Schulen wurden aus allgemeinen Steuermitteln erhalten, von denen die .Juden nach zuverlässigen Schätzungen zirka 60% aufbrachten. Den Juden sind nun von diesen 700 Abteilungen im ganzen 55 zugebilligt worden, sodaß der Prozentsatz der auf jüdische Schulkinder entfallenden Anstalten nur 7,8% aller Volksschulen ausmachte. Dabei ist noch bestimmt worden, daß der Unterricht lediglieh in polnischer Sprache erteilt werden müßte. Der Magistrat hatte sodann für das Jahr 1910/17 die Anlegung von Schülcrlisten verfügt, um das Einschulungsbedürfnis festzustellen. Als man sah, daß die jüdischen Einschreibungen großen Umfang annahmen, schloß man plötzlich die Einschreibungen. In auf Grund dieser Listen neu errichteten Schulen wird ebenfalls als Unterrichtssprache lediglich das Polnische zugelassen. Aber selbst, wenn auf Grund der neuen Listen diesmal den jüdischen Kindern eine größere Anzahl von Schulen zugestanden wird, so wird sie keinesfalls für das vorhandene Bedürfnis ausreichen. Allerdings wird den jüdischen Kindern auch der Besuch rein polnischer Schulen freigestellt: aber tatsächlich sind die jüdischen Kinder vom Besuch der allgemeinen Schulen so gut wie ausgeschlossen, weil einmal das Verhältnis zwischen Juden und Christen derart gespannt ist, daß die jüdischen Kinder in christlichen Schulen ein Martyrium durchmachen würden, weil ferner in diesen Schulen der Sabbath nicht gefeiert wird und endlich die ganze Richtung dieser Schulen so ausgesprochen katholisch ist, daß es für die überwiegend fromme jüdische Bevölkerung unmöglich ist, ihre Kinder dem Unterricht folgen zu lassen. Außer diesen von der Stadtverwaltung unterhaltenen jüdischen Elementarschulen existieren noch in Warschau tausende von Chedarim. Die gemäßigten Vertreter der Juden in der Stadtverordnetenversammlung wollen den Vorschlag machen, daß von der Stadt, — da die Zahl der jüdischen Schulen, die neu eröffnet werden, unverhältnismäßig klein ist und in keinem Verhältnis zu der Steuerleistung der jüdischen Bevölkerung Warschaus steht, — wenigstens eine Subvention zur Hebung der jüdischen Chedarim in hygienischer und anderer Beziehung gegeben wird. Es besteht aber außerordentlich wenig Aussicht, daß dieser

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