Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 2 (25.10.1916)
- Article
- Zur Nationalitätenfrage in Polen
- Date
- 1916-10-25
- Page
- Seite 41 (sequence 8)
- Language
- German
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41 von 'Amerika verdanken ihr staatsrechtliches Dasein der Krai'tanstrengung des eigenen Volkes. Das neu zu bildende Reich dagegen der Befreiung durch die deutschen Waffen und wahrscheinlich in formaler Beziehung der Akte des künftigen Friedensschlusses, die wohl recht viele Vertragskontrahenten haben wird, also einem internationalen Akt. Da ist es nur natürlich, wenn der wichtigste Punkt der Verfassung, die Rechte der Nationalitäten und Religionen, unter den Schutz dos internationalen Gerichthofs im Haag gestellt werden. Damit würden sie aller Parteileidenschaft, allem Nationalitätenhader entzogen sein. Ein Staatswesen, in dem die Polen zwar die Mehrheit haben, aber in dem noch eine recht beträchtliche Minderheit anderer Stämme lebt, deren Eigenart und Rechte darin geschützt sind, droht auch viel weniger nationale Expansionsbestrebungen auf die Polen in den Nachbarländern auszuüben, denen es seine Befreiung verdankt. Wird man sich doch auch Preußen gegenüber daran erinnern müssen, daß dessen Ostmarken keine rein polnischen Sprachgebiete, sondern sehr stark, vielfach sogar -überwiegend mit Deutschen durchsetzte sind. Also auch vom deutschen Standpunkt aus ist es nur klug, nicht ein rein nationalpolnisches Staatswesen an der Ostgrenze zu schaffen, sondern einen Nationalitätenstaat mit gleichen Rechten für alle Nationalitäten. Aus dem Sprichwörterschatz der Ostjuden Eltern können Mitgift geben, aber kein Glück. In der Not legt man die Samstagskleider an Wochentagen an. Schweigen hat noch niemand gereut. Schau hinab, so wirst du wissen, wie hoch du stehst. Die Zerstörung der Legendenbildungen Von Prof. Dr. Ludwig Stein Zu den vielen Legenden, die der Weltkrieg mit der Wurzel ausreißen wird, gehört die „Gemeinbürgschaft der jüdischen Rasse", die man mit den Zunamen „goldene Internationale14 belegt hat. Die Juden aller Länder, vor allem die deutschen, stehen an vaterländischer Gesinnung und Betätigung ihren andersgläubigen Mitbürgern in keiner Richtung nach. Die bösartige Legende, als ob die Juden aller Länder sich auf stille Verabredung verschworen hätten, die Welthegemonie an sich zu reißen, erweist sich angesichts der Zerklüftung der Juden in zwei feindliche Lager als hirnwütige Erfindung, die nur Niedertracht zu ersinnen vermochte. Als ob eine solche Geheimverbindung, die den Juden angedichtet worden, bei den zahlreichen Überläufern, die sich aus Ante-