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Neue jüdische Monatshefte · 1916-10-10 · Heft 1 (10.10.1916) · p. Seite 17

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 1 (10.10.1916)
Article
Von den falschen Messias
Date
1916-10-10
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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17 Von* den falschen Messias Eine chasstdlsche Sage*) Ein Freidenker spottete einmal in Gegenwart des heiligen Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew über unsere allen Weisen and sagte, da& selbst Rabbi Akiba den. Aufrührer Bar-Kochba für den Messias gehalten und ihm seine Kleider nachgetragen habe. Der Rabbi erzählte darauf dieses Gleichnis: „Es war einmal ein Kaiser. Er hatte einen einzigen Sohn, den er wie seinen Augapfel liebte. Dieser Sohn a& einmal von einer verdorbenen Speise und wurde gefährlich krank. Ein Arzt nach dem andern kam, doch keiner brachte dem Kranken Heilung. Schliefelich berief man die berühmtesten Ärzte und Gelehrten zu einem Konsilium. Einer von diesen meinte, daf3 man den Kranken nackt in ein mit einer sehr scharfen Salbe eingeschmiertes Laken hüllen solle; wenn er so eine ganze Nacht läge, würde die Salbe die Keime der Krankheit aus seinem Körper ziehen. Ein zweifer Arzt wandte ein, daft der Kranke die gro&en Schmerzen, die die Salbe verursacht, nichi aushalten könnte, denn er sei zu sehr geschwächt. Ein dritter Arzt schlug vor, die Salbe anzuwenden, dem Kranken aber zuvor einen.Schlaftrunk zu geben, damit er die ganze Nacht schlafe und die Schmerzen nicht spüre. Ein vierter Arzt wandte dagegen ein, daf> der Kranke ein schwaches Herz habe, und daß ihm dah£r ein Schlaftrunk gefährlich werden könnte. Den besten Rat gab der fünfte Arzt, welcher sagte, daß das Laken mit der scharfen Salbe und der Schlaftrunk vortreffliche Mittel seien; nur solle man den Schlaftrunk nicht auf einmal, sondern in kleinen Dosen geben: der Kranke würde einschlafen, nach zwei Stunden aufwachen und vor Schmerzen schreien; dann solle man ihm wieder etwas vom Schlaftrunk geben, so daß er wieder zwei Stunden lang schlafen würde. Und so solle man es die ganze Nacht machen. Man folgte diesem Rat, und der Kranke genas. Als der Herr der Welt sah, da& die Seele seines geliebten Volkes Israel gefahrlich erkrankte und alle Arzneien, die ihm die himmlischen Ärzte gaben, nicht mehr halfen, berief er die himmlischen Heerscharen zu einem Konsilium. Auf diesem Konsilium *) Aus der demnächst Im Verlage Georg Müller, München, ers-chelnendcn Sammlung: „5agen polnischer Juden*, ausgewählt und übertragen von Alexander Eliasberg.

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