Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 1 (10.10.1916)
- Article
- Jüdische Erziehung
- Date
- 1916-10-10
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 deren Ausgangspunkt der Zionismus, und dieauch dann von ihm beeinflußt ist, .wenn sie glaubt im Gegensatze zu ihm zu stehen und ihn bekämpfen zu müssen, weitere Kreise gezogen und ist namentlich in die jüdische Jugend eingedrungen. Vor . allem empfindet die akademische und kaufmännische Jugend, unter der der Zionismus natürlich die größte Anhängerschaft gefunden hat, mit großem Schmerze ihre Unkenntnis des Judentums. Sie empfindet es als einen Mangel, ja geradezu als ein Unglück,, daß sie von allem anderen mehr weiß, als von der eigenen Nation, daß ihr die Geschichte des eigenen Stammes zum allergrößten Teil unbekannt ist, und daß sie ihrer eigenen nationalen Sprache, in der ihr Stamm der Menschheit eine Bibel gegeben hat, fremd gegenübersteht. Die ihrer nationalen Eigenart sich bewußt gewordene jüdische Jugend empfindet es als eine Einbuße an sittlichen Werten, daß sie von Griechen und Römern, von England und Amerika mehr weiß, als von Juden und Judentum, und daß ihre Kenntnisse vom eigenen Volkstume in erster Linie aus judenfeindlichen Angriffen und antisemitischen Zeitungen, herstammen. Sic hat gelernt, den Kampf für das Judentum als eine Ehrensache anzusehen, und versteht, daß die Achtung vor demJudentume bei der Selbstachtung beginnen muß. Der Grundfehler der vergangenen Geschlecht«- war es, daß ihre Hingabe an die allgemeinen Ideale so gToß war, daß sie sie mit dem Aufgeben des eigenen Wesens verwechselten. Von dem Irrtume, durch die Vernachlässigung des jüdischen Wesens der allgemeinen Kultur teilhaftig zu werden, konnten sie, sich nicht mehr befreien. Dieses Jahrhundert der Entjudung ist zu einem großen Teile überwunden worden. Vom Zionismus geht durch die ganze west- und mitteleuropäische Judenheit ein Zurückfluten und zum mindesten ein Zurücksehnen zum angestammten Judentume. Junge Juden wollen ihre alte Kultur kennen lernen, die sie lieben um der Zukunft willen, die sie für das Judentum erträumen und die sie erkämpfen wollen. Aber es war viel leichter, vom alten Judentume loszukommen, als zu ihm zurückzukehren. Es war viel bequemer, zu vergessen und die Kinder nichts zu lehren, als es nunmehr sein wird, dem jüdischen Stamme in Deutschland die Kenntnisse vom Judentume wiederzugeben. Da steht vor allem die Schule im Wege. Wir haben nun einmal den Schulzwang und empfinden durchaus den Segen dieser Einrichtung. Aber die Schule, in der wir unsere Kinder unterrichten, lassen, ist keine jüdische. Wir haben, von kleinen Resten und noch kleineren Anfängen abgesehen, keine jüdischen Volksschulen, geschweige denn höhere jüdische Unterrichtsanstalten. Die Schulen sind christlich-deutsche. Lehranstalten, durchweht von christlich-deutschem Geiste. Das ist so ganz in der Ordnung. Denn die weitaus große Mehrheit des deutschen. Staatsvolkes besteht aus deutschen Christen. Sie können beanspruchen, daß in den Schulen, in denen ihre Kinder unterrichtet werden, der Geist herrscht, der der. nationalen Geschichte entspricht. Indem aber diese Schule, ob Volksschule oder Gymnasium, die ganze Kraft des Knaben oder Mädchens beansprucht,. läßt sie keine Zeit und keine Energie übrig für die Erlernung des historisch gewordenen Judentums. Und der kahle und magere jüdische Religionsunterricht, der da nebenher erteilt wird, und der von Eltern und Kindern sds eine Mehrbelastung empfunden wird, kann gar zvi wenig.geben,