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Neue jüdische Monatshefte · 1916-10-10 · Heft 1 (10.10.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 1 (10.10.1916)
Article
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Date
1916-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 wie immer ein chauvinistischer Geist erwachen wird, der der Erbpäehter vaterländischer Gesinnung zu sein glaubt und fordern wird, als solcher anerkannt zu werden. Deutschland wird mehr denn je einig sein müssen, Es gilt alle Kräfte zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Aus der Geschichte wollen und werden wir lernen, die Menschen und Völker nicht nach Sympathien und Antipathien abzuschätzen, sondern nach den inneren Menschheitswerten. Die Gegenwart hat uns gezeigt, daß man von aller Welt gehaßt sein kann wie ein Deutscher, ohne schlecht zu sein; die Zukunft soll und wird den Juden Gerechtigkeit bringen. An diesem Ziele mitzuwirken, ist unser Bestreben. Candidus Si quid novisti rectius istis, imperti, non his utere mecum! Zur Nationalitätenfrage in Polen Von Georg Gothein, M. d. R. Der Reichskanzler hat erklärt, daß die durch die deutschen Waffen befreiten Völker Polens, Litauens, Kurlands nicht wieder dem russischen Joch ausgeliefert werden sollen. Sie befreien heißt aber nicht, sie unter ein neues Joch beugen, heißt vielmehr ihnen in weiterem Maße ein Selbstbestimmungsrecht geben, jedem von ihnen die Pflege seiner nationalen Kulturgüter ermöglichen. Die befreiten Gebiete sind nicht von einer einheitlichen Nationalität bewohnt. Selbst das sogenannte Kongreßpolen nicht, wenn auch in ihm die Polen die große Mehrheit ausmachen. Nach der letzten russischen, die ethnographischen Verhältnisse berücksichtigenden Volkszählung machten dort die Polen 73,84 % der Gesamtbevölkerung aus, 13,71 % waren Juden*), 4,42% Deutsche, 3,84% Litauer, 3,28% Rotruthenen, 0,29% Weißruthenen und 1,09% Russen. Letztere waren vorwiegend Beamte und Militärs mit ihren Familien, die mit der Abtrennung Polens von Rußland größtenteils verschwinden dürften; ganz überwiegend sind sie schon während des Krieges — vor dem deutschen Vormarsch ~ geflüchtet. Auch wenn man dieser Statistik, wie jeder russischen, mit starken Vorbehalten gegen übertritt, ist doch unzweifelhaft, daß die Polen selbst in Kongreßpolen noch keine Dreiviertelmehrheit haben. In den anderen von uns besetzten Gebieten, vor allem in Litauen und Kurland, ebenso wie in Wolh}rnien bilden sie eine ausgesprochene Minderheit. Im Gouvernement Kowno machten sie neben G0 % Litauern und 13,7% Juden nur 11,4% der Bevölkerung aus. 2,5% entfielen auf Kuthenen, 4,7% auf Russen. Im anstoßenden Gouvernement Grodno ist die Bevölkerung ganz *) Nach den zuverlässigen Angaben des „Handbuches der polnischen Statistik" (Krakau 1915) machten die Juden im Jahre 1913 schon 15% der Gesaintbevöikerung aus.

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