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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Die Chaluzim
Date
1938-10-01
Page
302 (sequence 2)
Language
German
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Gewiß wären an dem neuen Werk manche Ausstellungen zu machen: das etwas konventionell und blaß gezeichnete Liebespaar, eine gewisse Stilmischumg in manchen Teilen, manche Abhängigkeit von Vorbildern, manch unnötige Kompliziertheit; aber das fällt gegenüber die Wichtigkeit des Fortschritts kaum ins Gewicht. Chemjo Winawer hat eine konzertmäßige Aufführung in einer akustisch ungünstigen Berliner Synagoge durchgeführt. Ob das Werk auf der Bühne noch mehr wirken würde, ist fraglich; der eigentlich dramatische Nerv fehlt der Oper. Aber man müßte es versuchen. Oskar Guttmann Bertha Badt-Strauss: „Jüdinnen1', Joachim Goldstein, Jüdischer Budiverlag, Berlin 1938 In bescheidener äußerer Aufmachung legt die Verfasserin uns eine Sammlung von kurzen Lebensbildern jüdischer Frauen vor: Porträts bekannter und weniger vertrauter Namen von Urzeiten her bis in unsere Tage. Sie sind entstanden aus derselben Mischung von Kenntnis der Materie und frauenhafter Einfühhuigsfähigkeit, die uns aus dem früheren Schaffen dieser Schriftstellerin bekannt ist, und schließen sich so zu einem schönen Gesamtbild zusammen, das dauerhafte Wirkung behalten wird. Ein sauberes kleines Werk ist da entstanden. Bertha Badt-Strauß bemüht sich, eine einheitliche und verbindende Linie über die Jahrtausende hinweg aufzuzeigen, was ihr zweifellos gelungen ist. Dabei geht es ohne Schönfärberei zu mit allem Verständnis für jegliches Menschliche. Frau Strauß folgt nicht müder Bibel, sondern für die frühen Zeiten dem Midrasch, der ihr mit seiner Duldsamkeit für jedes Wesen vorbildlich ist. Sie übergeht so selbst Gestalten nicht, deren Namen nur infolge niedriger Taten auf uns gekommen sind, da sie, gewissenhafte Historikerin, weiß, daß jedes Volk alle Erscheinungen seiner Geschichte, erkennen muß, wenn es seine Artung im ganzen begreifen will. So ziehen sie vorüber, von den Erzmüttern an über die Frauen der Zerstreuung, den tatkräftigen Handelsfrauen des mittelalterlich askenasischen Landes, die zugleich vorbildliche Mütter waren, und den spaniolisch, hochkultivierten Herrinnen bis zur vielgearteten Reihe unserer Tage, zu Rahel Bluwstein etwa und als letzter Henrietta Szold, der das Buch gewidmet ist. Die Autorin hat sichtlich nur die Frau darstellen wollen, die je und je in ihrer Generation über die vielen Einzelnen hinaus skhbart geworden ist. So fehlt ein Wort über die unbekannte Hausmutter, die durch die Generationen jüdisch waltende, und es wäre freilich reizvoll gewesen, durch ein ihr gewidmetes besonderes Kapitel das Gesamtbild ergänzt zu sehen. Denn für unser Zeitalter ist es nicht einmal richtig, daß mit der Emanziaption „die Welt des jüdischen Hauses gebrochen und zertrümmert" worden sei? Bis in unsere Zeit hinein gab und gibt es diese Welt des jüdischen Hauses noch in einer Unbedingtheit, wie nur je in der Geschichte, vor allem in den Städten und Dörfern des Südens und Westens. Tau- 302

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