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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Die Chaluzim
Date
1938-10-01
Page
301 (sequence 1)
Language
German
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Die Chaluzim Volkstümliche Oper, Text und Musik von Jacob Weinbeig. Die Oper, dieses Mischwesen aus allerlei Künsten, dieser Kampf der Musik mit dem Drama, bei dem das Drama immer angreift und die Musik zuletzt immer siegt, ist als Kunstwerk schon Problem genug; ist so national gebunden wie nur möglich, so international, wie nur möglich. Das Problem einer jüdischen Oper häuft und kompliziert die Fragen noch mehr; denn eine jüdische Oper hat es bisher noch nicht gegeben. Aber der schöpferische Künstler wird aller Problematik Herr und Weinberg schreibt ein Werk, das zunächst einmal stofflich dem Leben der sich bildenden jüdischen Nation entnommen ist; es geht um die jüdische Jugend, die in Palästina das Land der Väter wieder aufbauen will. Lose gefügte Szenen ohne fortlaufende Handlung, reihen sich aneinander, verbunden in der Idee, die diese Chaluzim und Chaluzot beseelt, einem noch unbekannten Morgen zu. „Wir ackern und pflügen das Heute", heißt es in dem Chor, der den Aufbruch der Jugend nach Erez-Jisrael begleitet. Daher liegt der Schwerpunkt der Musik dieser jüdischen Volksoper m den Chören, hier gibt der Komponist, in Berlin bereits bekannt durch sein „Kabbalat Schabbat", für diese Oper in Philadelphia — er lebt in Amerika — preisgekrönt, sein Bestes, sein Eigentümliches. Gleich der erste Chor, wenn die Beter am Sabbat-Morgen aus der „Schul" kommen und sich „Gut Schabbes" wünschen, ist ein Meisterstück der Charakteristik, voller Humor und heiterer Unbeschwertheit, wie der Sabbat sie auch dem gedrücktesten Juden im ostjüdischen Städtel gibt. Ueberhaupt ist Weinberg, in Odessa geboren, sehr glücklich in der Schilderung dieses kleinstädtischen jüdischen Milieus. Im Mittelpunkt steht hier die Figur des Schadcheris, — ein jüdischer Kezal, der jenem an erschöpfender Beredtsamkeit in seiner bedeutenden Arie nichts nachgibt. Im 2. und 3. Akt, die in Palästina spielen, verwendet der Komponist, der schon im ersten Akt auf traditionelle Gebetweisen und chassidische Motive zurückgreift, vor allem jemenitische und arabische Melodien, schreibt eine jemenitische Rhapsodie als Orchestereinleitung, einen arabischen und einen orientalischen Tanz und bedient sich zweimal der Form der„Horra", jenes jüdischen Tanzes, den die Jugend in Palästina nach Feierabend tanzt, um damit trotz der „Schwere der Tage im Emek" die Freiheit im eigenen Lande zu feiern. Diese beiden Chortänze bilden die musikalischen Höhepunkte der Oper. Der Einwand, daß das und bei aller jüdischen Gesinnung und Formung dieser Musik auch sonst manche Amerikanismen sich geltend machen, muß zurücktreten vor der hinreißenden Wirkung dieser beiden Stücke. Von hier aus kann es vorwärts und aufwärts gehen zur Fortentwicklung der noch so umstrittenen jüdischen Musik. Aus aller Welt kommen nun die Werke, aus Amerika, aus Deutschland, aus dem Osten, aus Palästina, aus Frankreich (Milhaud trägt sich mit dem Plan einer jüdischen Oper). 301

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