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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Die Bedeutung der Ausgrabungen außerhalb Palästinas für das Verständnis der Bibel
Date
1938-10-01
Page
300 (sequence 4)
Language
German
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B.Finkelscherer: Die Bedeutung der Ausgrabungen außerhalb Palästinas zifferung in erstaunlich kurzer Zeit dem kürzlich verstorbenen Halleschen Orientalisten Hans Bauer im Verein mit P. Dhorme in Jerusalem gelang. Die Zeichen dieser Schrift bestehen aus Keilen, sind aber nicht aus der "babylonischen Keilschrift ableitbar, sondern ersichtlich selbständig" von einem Kenner der babylonischen und vielleicht auch der ägyptischen Schrift geschaffen. Die Zahl der Buchstaben übersteigt die des hebräischen Alphabets, und auch die Laute stehen, ohne ihm völlig zu entsprechen, dem Arabischen näher als dem Hebräischen, mit dem die Sprache der meisten Texte jedoch ganz nahe verwandt ist. Ganz ähnliche Zeichen haben sich dann vereinzelt bei Grabungen in Palästina selbst gefunden. Diese alphabetische Schrift nun stammt mindestens aus dem i5. Jahrhundert, könnte jedoch noch älter sein; in manchen Texten zeigt sich jedoch bereits der Einfluß des phönizischen Alphabets in der Form des Buchstabens Ajin, so daß wir mit der Möglichkeit zu rechnen haben, daß das sogenannte phönizische Alphabet schon vor i^oo entstanden ist. Über die ungeheure religionsgeschichtliche Bedeutung der Texte von Ugarit, unter denen sich mehrere Epen mit mythischem Inhalt, Gebete und Opfertexte befinden, soll in einer weiteren Arbeit berichtet werden. Sie sind für das Verständnis der Bibel von beispielloser Bedeutung. Für unsern Zusammenhang aber ergibt sich, daß alle Zweifel an der Möglichkeit einer Aufzeichnung von Vorschriften durch Mose selbst in hebräischer Sprache durch die Auffindung des erwähnten Achiram- Sarkophags grundlos werden. Man kann nun nicht mehr davon fabeln, daß die Tora einmal von Keilschrift in hebräische Schrift und vielleicht gar aus fremder in hebräische Sprache übertragen worden sei. Das Vertrauen in den überlieferten Bibeltext wird durch diese Erkenntnis ganz wesentlich gehoben, und wir haben viel weniger Anlaß, alle möglichen Verderbnisse im Text anzunehmen. Die schriftgeschichtlichen Erkenntnisse, die uns die Ausgrabungen in Byblos, in Bas Schamra und auch am Sinai brachten, betreffen nicht nur den Wortlaut der Bibel, sondern auch ihren Inhalt. Besitzen wir nämlich jetzt Texte in einer dem Hebräischen sehr nahe stehenden Sprache aus der Zeit der Patriarchen, die zwar in Nordsyrien aufgezeichnet sind, aber zum Teil anscheinend aus Palästina und dessen Nachbarländern stammen, so können wir damit rechnen, daß es früher noch ähnliche Texte gegeben hat, die uns nicht selbst erhalten sind. In biblischer Zeit mag man über das Zeitalter der Erzväter nicht nur mündliche Überlieferung, sondern auch schriftlich niedergelegte Quellen besessen haben. Bemerkungen über die vorisraelitische Zeit, die wir nicht nur im ersten Buch der Tora, sondern auch in manchen anderen biblischen Büchern finden, könnten also auf sichere zeitgenössische Überlieferung zurückgehen. Vor wenigen Jahrzehnten noch wollte man einen großen Teil der biblischen Überlieferung als Märchen erklären, und es war schon ein Fortschritt der Anerkennung, wenn man von der Genesis als einem Sagenbuche sprach. Die Ausgrabungen aber haben die Zuverlässigkeit der Bibel gerade als Geschichtsquelle immer deutlicher erwiesen, so wenig das auch für das Wesen des Buchs der Bücher selbst besagt. Bruno Finkelscherer 300

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