Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1938)
- Article
- Um eine Prise Tabak
- Date
- 1938-10-01
- Page
- 287 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Fabius Schach: Aufklärung im Osten er, und so sehr sehnte er sich nach seiner Prise Tabak! Es ist ihm schon schwarz vor den Augen! Aber — gelobt der Ewige! — da sitzt er ja endlich unter dem Bäumchen! Hastig zieht er das Birkendöschen hervor — wie die Hand ihm zittert! Da kommt von hinten ein Windstoß, und das Birkendöschen entfällt seiner Hand. Er streckt sie aus; da kommt wieder ein Windstoß, einfach ein Windchen, und das Döschen kollert weiter. Er streckt sich auf dem Boden, schiebt die Hand nach, — das Döschen kollert, und er folgt ihm kriechend: die Prise Tabak zieht ihn, auf allen Vieren verfolgt er sie... Das Koboldlein hinter dem Bäumchen grient und hört nicht auf zu blasen... Plötzlich aber, mit einem Ruck, reißt es das Bäumchen wieder aus und hat es im Nu wieder dahin gestellt, wo es immer gestanden hatte. Dem Rebben aber ist es noch nicht gelungen, das Döschen zu erwischen. Weiter bläst das Koboldlein... Da blickt der Rebbe sich um: sein Bäumchen steht weit vor ihm! Nun denkt er, er sei in seiner Zerstreutheit zu einem andern, entfernteren Bäumchen gekrochen, — er hebt den Blick zum Himmel: — der ist ausgestirnt! Er hat nicht einmal den Sonnenuntergang bemerkt, so hat die Prise Tabak ihn gelockt. Allerdings — eine sehr helle Nacht war es... Na ja — er hat den Schabbat-Beginn versäumt! In den Ort wird er heute nicht gehen; speisen werden ihn die Raben, die Elijahu den Propheten gespeist haben, — aber das Birkendöschen muß er kriegen... Weiter kriecht er, und das Koboldlein bläst, und das Döschen kollert... Ich will keinen langen Brei daraus machen: er ist über die Schabbat-Grenze hinausgekrochen! Das Teufelchen ist sofort befördert worden. Vor dem Weggehen hat es zu der schwarzen Gesellschaft gesagt: „Über einen Berg fällt man nicht — eher strauchelt man über ein winziges Gelüstchen." Deutsch von Berit Schiratzki Fabius Schach: Aufklärung im Osten Die Haskala-Bewegung In dunkler Zeit sehnt das Gemüt sich nach Freiheit und Schönheit und nimmt seine Zuflucht ins Reich der Phantasie. Ob man sich in die Mystik oder in die Poesie flüchtet, ist, psychologisch gesehen, dasselbe. Wenn einem das Leben auf der Erde unerträglich scheint, strebt die Seele zum Himmel, — dem Himmel, den man sich selber schafft. Alle kabbalistischen und 282