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Der Morgen · 1938-10-01 · Heft 7 (Oktober 1938) · p. 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1938)
Article
Um eine Prise Tabak
Date
1938-10-01
Page
280 (sequence 1)
Language
German
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J. L. Perez: Um eine Prise Tabak. Humoreske Als der Böse einst dasaß, ein Bein über dem andern, und mit einem lieblichen Satanslächeln, leicht gähnend, im Kontobuch der lebenden Seelen blätterte, tat er plötzlich einen Schlag in die Hände. Er war bei dem Konto des Chelmer Rebben angekommen, und das war leer — auch nicht ein Tüpfelchen von einem Buchstaben darauf zu erblicken. Auf das Klatschen stürmten die Geschwänzten sofort herbei. Wie die Hunde mit hängenden Zungen drängten sie sich in der Tür und warteten auf einen Befehl. „Schickt sofort einen hinauf, nachzusehen, ob der Chelmer Rebbe noch lange zu leben hat!" So leise wie sie gekommen, verschwinden die Boten, und keine Viertelstunde vergeht, da ist die Antwort da: des Chelmer Rebben Lebensfaden ist mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen; heute — morgen — wird er abgerufen. „Der Schreiber soll hereinkommen!" Kommt ein kahlköpfiges Schreiberlein hereingetanzt, mit rotunterlaufenen lustigen Äuglein, auf Hühnerbeinchen, tut einen Knicks hierhin, eine Verneigung dorthin, läßt sich mit einem Satz auf dem schwarzschwelenden Pechboden nieder, wie die Türken die Füße unter den Sitz gezogen; aus der einen Tasche zieht er sein Schreibzeug, eine nagelneue Krähenfeder, ein Tintenfaß voll sündigen Bluts, frisch gezapft, aus der anderen Tasche nimmt er * ein frischgegerbtes Stück Renegatenhaut, wickelt es auseinander, spuckt in die Hände und wirft einen untertänigen Blick hinüber: Fertig! Der Böse lehnt sich in seinen Armsessel zurück und diktiert; das Schreiberlein streckt die Zunge heraus, und zuck, zuck, zuck läuft die Feder und kratzt. An das Oberste Gericht ergeht ein Rapport folgenden Wortlauts: „Da doch geschrieben steht: ,Kein Mensch wird geboren, der das Gute erkennt und nicht sündigt', und es da einen Chelmer Rebben gibt, der mit einem Fuß schon im Grabe steht, und sein Blatt ist leer, und es doch dabei bleiben soll: ,Mosche ist wahr und seine Lehre ist wahr', — so soll der Chelmer Rebbe in die Gewalt des Satans gegeben werden." Nach einer kurzen Sitzung des Obersten Gerichts kommt der Bescheid: „Siehe Hiob, Kapitel Alef!" "Der Böse versteht sofort, was damit gemeint ist: „Tu mit ihm", bedeutet es, „was du willst, nur seine Seele hüte! Er soll leben, solange es ihm beschert ist." 2Ö0

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