Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Zollrevision
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkung quittiert habe, daß diese Vögel doch eigentlich gar keinen Verstand besäßen. Ja', habe darauf der Meister gesagt, ,sie besitzen aber eine Intelligenz der Formen. Und das ist doch genug, wie?' Einmal bin ich in Albenga gewesen, hart an der französischen Grenze. Und weil der Signor Padrone kein Kursbuch hatte und überhaupt niemand so recht wußte, wann der Zug nach Nizza eigentlich ging, kam ich viel zu früh zur Station. Zurückgehen? Nein. Lieber warten. Eine kleine weiße Bank lud zum Verweilen. Und wie die Minuten langsam dahintropfen, findet sich allmählich auch das übrige reisende Publikum ein: Landleute aus der Umgebung, Bauern, die zur Stadt wollten. Mittagsstille. Die Hühner des Stationsvorstehers laufen gackernd über den Perron, und auf dem zweiten Geleise stehen verloren ein paar Milchkannen. War das der Schienenstrang, der die Städte der großen Welt miteinander verbindet? Das Meer, das den Strand bespült, leuchtete in allen Tönen, vom tiefsten Blau bis zum hellsten Grün. Es war in den letzten Tagen sehr stürmisch gewesen und sehr erregt. Aber jetzt ruhte es schläfrig von seinen Stürmen aus. Und wie ich es so daliegen sah, dachte ich, daß alles auf dieser Welt einmal zur Ruhe kommen muß —" Irgendwo in der Ferne ein schrilles Pfeifen. Kommt der Zug? „Bitte aussteigen zur Zollrevision", sagt jemand, und ich reibe mir erschrocken die Augen. Habe ich geschlafen? Geträumt? Offenbar. Denn der Mann, der vor mir steht, trägt eine blaue Uniform. Und von Kontrebande kann gar keine Rede sein ... Vera Craener Um den Sdiäbbai Der Gedanke des Schabbat, des siebenten Ruhetages, ist in seiner doppelten Begründung (Ex. 19 und Deut. 5) von stärkstem Einfluß auf die Entwicklung des jüdischen Geistes und auf das Leben des jüdischen Volkes gewesen. Schöpfung und Offenbarung sind darin ausgedrückt, er wurde zum Mittelpunkt der gesamten jüdischen Literatur, der Philosophie und Kabbala, des Talmud und Midrasch, der Predigt und Wissenschaft. Das in den Jahrtausenden der Galut bis ins Einzelne ausgearbeitete Gesetz beschäftigt sich in unzähligen Bestimmungen mit dem Schabbat, und der Talmudtraktat Schabbat gehört mit 24 Kapiteln und 157 Blatt zu den bei weiten längsten Traktaten überhaupt. Auch in der neueren Literatur spielt der Schabbat-Gedanke eine große Rolle. Der Schabbat gibt dem menschlichen Leben den formenden Rhythmus, er prägt Feier und Arbeit. Anders als in sonstigen Ländern ist es um den Schabbat in Erez Jisrael bestellt. Hier wird er zu neuer Wirklichkeit und stellt völlig neue Fragen, da ja der „Sonntag", der in den anderen Ländern staatlich festgelegte Ruhetag, der dort neben den Schabbat tritt, nun wieder 263