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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Eine Lücke [Rezension]
Date
1938-09-01
Page
260 (sequence 2)
Language
German
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rangen des Fachmanns Genüge tut, den Laien aber, der nur sachliche Belehrung sucht, nicht hemmt. Zunächst interessiert uns Nathan Note Hanover, dessen Familie, dem Namen zu entnehmen, aus Deutschland stammt, dessen Vater Rabbiner zu Ostrog gewesen sein dürfte und der selbst in der Jeschiwa zu Ostrog noch beim großen Maharscha studiert haben könnte. Er trat zuerst 1646 mit einer in Krakau gedruckten kabbalistischen' Schrift hervor und war trotzdem ein Kopf mit Sinn für die Wirklichkeit und für Geschichte, dazu von eminenter Sprachbegabung und, außer im Hebräischen, im Polnischen, Lateinischen, Italienischen und Deutschen so firm, daß er ein viersprachiges Wörterbuch verfaßte. Er heiratete und lebte ruhig und glücklich als Maggid zu Zaslaw bis 1648, dem Jahr des europäischen Friedensschlusses, in dem nach kabbalistischer Berechnung der Messias erscheinen sollte und in dem in der Ukraine der Hetman Chmielnicki erschien und der Kosakenaufstand gegen die polnischen Herrscher ausbrach. Unter den Hunderttausenden jüdischer Märtyrer war Hanovers Vater, während er selbst, der das Grauen mitangesehen hatte, entkommen konnte, sich als Prediger mit seiner großen Familie von Gemeinde zu Gemeinde mittellos bis Holland durchschlug und 1652 in Venedig landete, wo er, nun asketischer und mystischer denn je, das Erlittene noch einmal durchzuleben und treu als Chronik niederzuschreiben begann. Im Jahr darauf, als die Chronik „Jeveja Mezula" erschien, wurde er Rabbiner zu Livorno. Dann finden wir ihn in Venedig wieder als Kabbalisten, 1657 in Rumänien als Rabbiner und Verfasser des Wörterbuches und einer Sammlung von Gebeten, endlich in Mähren als Dajan, Maggid und Autor zweier kabbalistischer Bücher. Es war, als hätte das Schicksal ihn nur zur Oberlieferung des Grauens und der mystischen Einkehr aufgespart, denn er fiel in Mähren als Opfer der türkischen Invasion an dem Tage, da die Belagerung Wiens begann. Er galt zu seiner Zeit als ein für seine menschliche Lauterkeit, strenge Selbstdisziplin und Wohltätigkeit, vor allem aber für seine Gelehrsamkeit berühmter Mann, und die Vorzüge seiner Bücher erhielten auch der Nachwelt seinen Namen. Hanovers Chronik ist eine klassische Arbeit, die knappe und klare Schilderung der Katastrophe in den wichtigsten Gemeinden der Ukraine, Polens und Litauens, mit genauen Daten, Anzahl der Opfer, Charakteristik der Führer und der Situationen. Erst am Schluß, wie um das Erschütternde ganz fühlbar zu machen, schildert Hanover den Glanz des jüdischen Lebens vor der Katastrophe. Schatzkys Einleitung, doppelt so lang wie die Chronik selbst und eigentlich ein Werk für sich, Resultat eines Vierteljahrhunderts eingehendster Studien, kommentiert, berichtigt und ergänzt das Dokument zu einer vollkommenen Darstellung jener Epoche, so daß wir nun nicht nur ein genaues Bild der rein jüdischen Tragödie besitzen, sondern auch ihre Hintergründe, Sinn und Zweck des Aufstandes, 260

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