Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- A. Z. Idelsohn
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 259 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f essor am Hebrew Union College in Cincinnati lehrte. Es war die zweibändige „Jewish Music in his Historical Development. Sie war ursprünglich hebräisch geschrieben und ist auch in deutscher Übersetzung vorhanden, aber kider noch nicht gedruckt. Sie stellt das Ergebnis zwanzigjähriger wissenschaftlicher Forschungsarbeit dar, das hier zusammengefaßt und historisch gegliedert wurde. Folgende grundlegende Sätze seien daraus zitiert: „Wir verfolgen die Geschichte der jüdischen Musik als tongewordenen Ausdruck des Judentums und des jüdischen Lebens. Wir versuchen, den Einfluß herauszukristallisieren, den die Musik der fremden Umgebung auf die jüdische Musik ausgeübt hat, und versuchen, die Prinzipien auseinanderzusetzen, denen zufolge gewisse fremde Elemente eingekörpert wurden, bis sie organische Bestandteile der musikalischen Gesamtgestalt wurden. So finden wir in dieser Musik ursprüngliche Elemente und Züge, die das geistige Leben des jüdischen Volkes widerspiegeln." Idelsohn hat auch mancherlei komponiert, doch ohne darin seine stärksten Leistungen hervorzubringen. Auch manche seiner Erkenntnisse sind heute überholt, manche seiner Schlußfolgerungen haben sich als irrig erwiesen. Dies konnte kaum ausbleiben bei einem Mann, der auf einem neuen Forschungsgebiete einen entscheidenden Anfang gemacht hat. Wie dem auch sei: was er hinterlassen hat, ist eine erstaunliche Arbeitsleistung und der kraftvollste Hinweis auf ein Gebiet jüdischen Geistes, aus dessen Bereich noch mancherlei neue und ungeahnte Erkenntnisse erwachsen werden. Oskar Guttmann Eine Lücke Wer irgendeine Epoche der jüdischen Geschichte kennenlernen will, lernt zu allererst gewöhnlich eine Lücke der jüdischen Geschichtsr schreibung kennen. Das ist nun einmal so, und ein paar Jahrzehnte jüdischer Geschichtsschreibung können die Lücken von Jahrhunderten schwerlich zuschütten, wobei noch fraglich bleibt, ob es sich überhaupt lohnt. In manchen Fällen, wenn es sich um überragende Persönlichkeiten oder sogenannte Marksteine der Entwicklung handelt, kann es sich lohnen, und bei der Darstellung der Kosakenaufstände 1648 bis 1654 in dem jiddischen Sammelwerk „Gserot Tach" (Bibliothek des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts, Wilna 1938) hat es sich gelohnt. Den Kern des Werkes bildet ein zeitgenössisches historisches Dokument, Nathan Note Hanovers hebräisches „Jevejn Mezula", 1653 in Venedig erstmalig gedruckt und hier von Lacki-Bertoldi ins Jiddische übersetzt; voran steht eine große historisch-kritische Einleitung von Jakob Schatzky, dahinter das bio- und bibliographische Material von J. Israelsohn. Das Werk ist mit dem wissenschaftlichen Apparat versehen, der den Quellenanforde- 259