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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 258

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
A. Z. Idelsohn
Date
1938-09-01
Page
258 (sequence 1)
Language
German
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A Z. Idelsohn Der Tod des erst sechsundfünfzigjährigen Abraham Zwi Idelsohn <geb. 14. 7. 1882 in Filzbürg bei Libau) ist ehi schwerer Verlust für die jüdische Musikwissenschaft, die er ins Leben rief. Während bis zu seinen Publikationen ein verhängnisvoller Dilettantismus herrschte — dessen Einfluß auch heute leider noch nicht ganz gebrochen ist —, war er es, der schon mit seinen ersten Arbeiten auf die noch lebendigen orientalischen Melodien hinwies und sie aufzeichnete. Dies führte, ihn dann über seine Beschäftigung mit der arabischen Musik zu jener grandiosen zehnbändigen Sammlung, die als „Hebräisch-Orientalischer Melodienschatz" heute die Grundlage jeder wissenschaftlichen Erforschung der jüdischen Musik bildet. Was vor Idelsohn an musikalischem Material aus den jüdischen Bezirken Osteuropas oder des Orients veröffentlicht wurde, ist dagegen dürftig und vor allem ungenau aufgezeichnet und durch Bearbeitung verfälscht. Erst Idelsohn hat die selbstverständliche Materialtreue, die untersucht und darstellt und nicht von frommen Wünschen ausgeht oder nach vagem Gefühl arbeitet, sondern systematisch sagt, was ist. Der „Melodienschatz", dessen Einleitungen wertvolle Forschungsergebnisse zusammenfassen, enthält Gesänge der jemenitischen, persischen, daghestanischen, bucharischen, babylonischen, sephardischen, aschkenasischen und marokkanischen Juden sowie solche der Chassidim. Diese unzähligen Melodien müßten von allen, die an einer Weiterentwick- 258 lung der jüdischen Musik — und das heißt zunächst der liturgischen Musik — interessiert sind, gründlich studiert und vorsichtig in die synagogale Musik verwoben werden. Nur so mag dann allmählich auch eine jüdische Kunstmusik entstehen, die sich, von Palästina und seiner Volksmusik ausgehend, aus der Verbindung dieser Melodien mit der zu bewahrenden orientalischjüdischen Liturgie und den bewußten Bestrebungen außerpalästinensischer Komponisten im Laufe von Generationen entwickeln könnte. Angeregt von dem Berliner Phonogramm-Archiv Hornbostels und Abrahams phonographierte Idelsohn als erster 1917 auch hebräische Gesänge und Ausspracheproben von jemenitischen, babylonischen und syrischen Juden. Und wenn heute Robert Lachm a n n, der sehr verdienstvolle Leiter des Archivs für orientalische Musik an der Universität Jerusalem, sich vor allem der phonographischen Platte zur Erforschung und Erhaltung der orientalisch-jüdischen Überlieferungen bedient, so folgt er den Spuren Idelsohns, der, als Schüler deutscher Konservatorien nach einem kurzen Kantorat in Regensburg und einem vorübergehenden Aufenthalt in Südafrika 1906 nach Jerusalem gekommen, dort 1910 ein „Institut für jüdische Musik" gründete. Während er das Material des Melodienschatzes in Palästina sammelte, wo er bis 1921 lebte, entstand sein zweites Hauptwerk in Amerika, wo er von 1922 erst als Vortragender, dann ab 1924 als Pro-

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