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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Neue Funde in Palästina
Date
1938-09-01
Page
256 (sequence 3)
Language
German
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Gustav Cohn mehr erweitert. So ist die Zahl der Gräber in dieser einen Abteilung auf mehr als vierhundert anzusetzen. Das gibt eine annähernde Vorstellung von der außerordentlichen Ausdehnung der ganzen Grabstätte, bei der es sich unverkennbar um eine Art Gemednschaftsfriedhof handelt. Gerade diesem Umstände ist sicherlich auch der Reichtum an künstlerischen Formen zuzuschreiben. Daß es dem jüdischen Altertum an künstlerischer Gestaltung nicht gefehlt hat, ist ja durch die Aufdeckung von Synagogen einwandfrei bewiesen. Hier wird aber auch ein ausgeprägtes Verlangen deutlich, der Ruhestätte der Toten den Charakter schmuckloser Nüchternheit zu nehmen. Wo die Gänge sich in die einzelnen Hallen oder diese sich in die Kammern öffnen, sind Bögen in herrlichen Formen in den Fels gehauen. Die Decken sind teils flach, teils mehr oder weniger stark gewölbt. Die einzelnen Kammern sind durch Bögen getrennt, die sich bisweilen auf in den Fels geschlagene Säulen mit Sockeln und Bekrönungen stützen. Sie zeigen einen einheitlichen Grundtyp, sind aber im einzelnen, wie die Kapitelle romanischer Säulen, unterschiedlich ausgeführt. Auch die Türen, sowohl die aus hartem Material wie die aus Holz gefertigten, waren durch ornamentale Schnitzereien und Gravierungen, oft auch mit farbigen Malereden geschmückt; besonders häufig begegnen geometrische Muster. Wie in den bloßgelegten Synagogen wurden auch Mosaikfußböden gefunden. Vielfältig sind die Schmuckformen in den einzelnen Grabkammern, die Skulpturen und Wandmalereien. Sie zeigen die auch sonst verwendeten Symbole, vor allem die siebenarmige Menorah, das am meisten gebrauchte und verbreitete Sinnbild jüdischen Lebens: nicht weniger als 30Typen der Leuchters konnten verzeichnet werden. Daneben erscheinen die heiligen Geräte: die heilige Lade in verschiedenen Typen, ölkrug, Kohlenpfanne., aber auch Schofar, Lulaw, Ethrog, eine Schäle mit Früchten (an die Darbringung der Erstlinge erinnernd), eine Buchrolle; aber auch Ornamente allgemeiner Art, Füllhörner, Becher, Schneckenhäuser, Lilien in stilisierten Formen. Manchmal erscheint auch der sogenannte „Magen David". Bemerkenswert sind außerdem Bilder von Schiffen in verschiedenen Ausführungen. Besondere Beachtung verdient aber die häufige Verwendung von Menschengesichtern, und an zwei Stellen die von ganzen menschlichen Gestalten. Alle diese Momente bezeugen nicht nur die Neigung zu künstlerischer Form, sondern vor allem die Bewußtheit, in der sie betätigt wurde. Fremde Einflüsse, Entlehnungen aus den hellenistischen und den orientalischen Kulturen sind nicht zu verkennen. Aber es bandelt sich nicht um Nachahmungen; die Anregungen sind aufgenommen und in Ausdrucksformen jüdischen Denkens umgearbeitet worden. Daß dabei der Darstellung des Menschen und sogar des menschlichen Körpers keine Bedenken entgegenstanden, bestätigt die Beobachtung, daß die fast allgemein angenommene These von einem strengen Verbot der Menschendarstellung schon für das Altertum nicht zutrifft: immer mehr stellt sich heraus, daß die übliche Deutung des Bildverbots einer Berichtigung unterzogen werden muß. Mit Recht weist Maisler darauf hin, daß diese erfolgreichen Grabungen eine Wendung in der Erforschung der Baumethoden, vor allem insoweit es sich um Arbeiten am Felsgestein handelt, und der damit 256

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