Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Neue Funde in Palästina
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 254 (sequence 1)
- Language
- German
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Neue Funde in Palästina Die jüdische Archäologie hat durch die Entwicklung Palästinas in den letzten Jahrzehnten vielfach neue Grundlagen erhalten. Sie war lange Zeit auf die literarischen Quellen angewiesen, deren Durchforschung zwar reiche Ausbeute gewährte, aber doch immer nur mehr oder weniger überzeugend begründete Hypothesen aufstellen ließ. Seitdem die wissenschaft- Forschung in zunehmendem Umfange die alten Zeugnisse zu Gebote, die den wissenschaftlichen Annahmen sichere Beweiskraft verleihen. Nachdem erst kürzlich die Entdeckungen von Lachisch weite Perspektiven hinsichtlich einer Periode der biblischen Geschichte eröffneten, erhalten wir jetzt Kenntnis von Grabungsergebnissen, die sich als kaum weniger wichtig für die jüdische Altertumsforschung erweisen werden. Bei Sheik Ibrek ist eine weitverzweigte Katakombe gefunden worden, die einst zu dem alten Orte Bet Schearim gehört hat. Bet Schearim hatte nach der talmudischen Literatur im 2. nachchristlichen Jahrhundert große Bedeutung. Dort lebte Rabbi Jehuda Hanasi, der Redaktor der Mischna; auch Rabbi Simon, der Lehrer Rabbi Jehudas, hat sich dort aufgehalten. Einige Zeit war es Sitz der Akademie und damit des Synhedrions, d.h. des höchsten jüdischen Gerichtshofes. Auch andere Gelehrte werden als in Bet Schearim ansässig genannt; so wurde zu Beginn des zweiten Jahrhunderts Rabbi Jochanan ben Nuri, der dort wohnte, von mehreren Gelehrten aufgesucht. Es war der Heimatort eines Rabbi Menachem. Bekannt ist auch, daß der Patriarch Rabbi Jehuda sich hier ein Familiengrab angelegt hatte und nach seinem in Sepphoris erfolgten Tode darin beigesetzt wurde. Die palästinensischen Gelehrten haben in den bei Sheik Ibrek ans Tageslicht gebrachten Gegenständen die unzweifelhafte Bestätigung für die Armahme gefunden, daß dort das alte Bet Schearim gelegen hat. Der hervorragende Vertreter der altpalästinensischen Ortskunde, Professor Dr. S. Klein von der hebräischen Universität, hatte schon lange zuvor als Lage des Ortes die Gegend von Dscheda, also ganz nahe bei Sheik Ibrek, bestimmt. Das ist nun nach den neuen Funden zur Gewißheit geworden. Dr. Maisler, der Leiter der Ausgrabungen, kennzeichnete in einem Aufsatz im „Dawar" die Momente, die diese Feststellung stützen, und wies vor allem auf die für die Entwicklung einer großartigen Siedlung günstige Lage hin: hier schnitten sich im Altertum die Straßen, die sich aus dem Innern des Landes nach dem Galil und vom Emek her bis zum Rande des Mittelmeeres hinzogen. Fast schon zum Emek gehörig, beherrscht der Hügel von Sheik Ibrek im südwestlichen Galil die Gegend ringsum, gewährt einen Blick auf die Berge des Galil im Norden und läßt in der Ferne die Häuser von Sepphoris erkennen; südlich und südöstlich zieht sich das Emek hin, dahinter erheben sich die Berge von Gilboa und Samaria und im Westen der Karmel in seiner ganzen Pracht. Daß hier eine Ortschaft zu hoher Blüte wachsen konnte, braucht nicht wunder zu nehmen. An dieser Stelle hat nach Ansicht mancher Forscher Bet Schearim schon in biblischer Zeit gelegen, wenn auch der Name in der Schrift liehen Institute 254