Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Die Laute
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 246 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Bertha Badt-Slrauss der gleiche Schienenstrang, über welchen unsre Züge rasten; aber zwischen uns dehnte sich das Trennende: — Genua — Marseille — New York... Und ich weiß nur, daß ich auf der Fahrt zurück ins Warten die Laute in den Armen hielt wie eine tiefverhüllte und geliebte Leiche; wer mich da verloren hocken sah, mußte mich für närrisch halten____ * Nun also hab' ich Dir, Lieber, auf dem gepackten Koffer sitzend niedergeschrieben, wie mir's zumut ist in dem ausgeräumten Zimmer. Du wirst dies alles nie erfahren. Aber der Schmerz des Abschieds ist vorbei. Ich nehme mit mir auf die große Fahrt ins Neue die Erinnerung an schön Durchlebtes. An der Grenze stehen schon die Tore offen für den Auszug. Ich mach' die Augen freudig auf, denn ich sehe im klarsten Licht die Zukunft mir entgegengrüßen, leuchtend übers Meer von dort, wo ich deine liebe Nähe weiß ... Bertha Badt strauss: Der Am Haarez „Aber das ist eine genierliche Sache, denn das ganze Amhaarazus meiner Ursprünge steckt darin", schreibt einmal einer, der ganz gewiß kein „Am Haarez" im üblichen Sinne des Wortes — also kein in jüdischen Dingen Unwissender — war, nämlich Franz Rosenzweig. In diesem halb ernst, halb lachend hingeworfenen Satz offenbart sich ein Stück der uralten Geschichte eines Wortes, die zugleich ein Stück unserer Volksgeschichte ist: der des Am Haarez. Wo der Am Haarez uns auf-den Blättern der Genesis zum ersten Male begegnet, da trägt er ein vornehmes Gewand: Efron der Hethiter heißt er, Sohn des Zoar, und sitzt unter den Ratsmännern seines Stammes am Tore seiner Stadt. Abraham, der Fremdling und Beisaß, der mit seinen Herden das Land durchzieht, verbeugt sich vor ihm und bittet ihn um eine Gunst: den Raum für die Grabstätte seiner Lebensgefährtin Sara. Noch hat das Wort Am Haarez (oder vielmehr die beiden Begriffe Volk und Land, aus denen es sich zusammensetzt) nichts vom ursprünglichen Klang verloren: „Land-Volk" ist, der seit der Väter Tagen im Lande wohnt und das Land bebaut; und es ist ein nachdenklicher Zug, daß diese ursprüngliche Bedeutung des Wortes durch die Bibel nicht an einem Juden, sondern bei dem Sohn eines andern Volkes, dem Hethiter Efron, gezeigt wird. (Wie denn die Stellung des Juden zum Wirtsvolk an dieser Stelle weithin weisend dargestellt wird: „Fremd und Beisasse" nennt Abraham sich — „Ein Fürst Gottes bist du uns", erwidern die Hethiter.) 246